D    Reiseversicherungen           23 Reise-Rücktrittskosten-Versicherung


Erkrankung nach Online-Check-in

Der Versicherungsschutz einer Reiserücktrittsversicherung endet nicht beim Online-Check-in, da zu diesem Zeitpunkt die Reise noch nicht angetreten ist.
Hierzu muss der Reisende eine faktische Leistung wie die Aufgabe des Gepäcks in Anspruch nehmen oder den Flugsteig passieren.

AG München, Urt. v. 30.10.2013 – 171 C 18960/13 (rkr.)


Reiserücktrittskostenversicherung / Epileptischer Anfall / Frühestmögliche Stornierung
Ein Reisender, der einen schwerwiegenden epileptischen Anfall erlitten hat, und weiß, dass er an einer Erkrankung leidet, bei der es zu weiteren Anfällen kommen könne, deren Zeitpunkt nicht vorhersehbar ist, muss eine gebuchte Reise nach dem Anfall stornieren, auch wenn er als arbeits- und reisefähig aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Er muss nur dann nicht kündigen, wenn die Ärzte eine Heilung von dieser Erkrankung bestätigen und/oder sicher mit einer Genesung zu rechnen ist.
AG München, 1.7.2010 - 281 C 8097/10 (rkr.)


Reise-Rücktrittskosten-Versicherung / "Unerwartete schwere Erkrankung" / Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall ist auch dann eine unerwartete schwere Erkrankung, wenn der Reisende zum Zeitpunkt der Buchung bereits unter starken Rückenschmerzen litt.
OLG Koblenz, 22.1.2010 - 10 U 613/09, RRa 2010, 237 = NJW-RR 2010, 762 = MDR 2010, 694 = VersR 2010, 905


Reise-Rücktrittskosten-Versicherung / Stornierung einer Reise / Unerwartete schwere Erkrankung
Neun Monate vor Reiseantritt hatte der Kläger eine Busreise nach Süditalien gebucht und eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen. Vier Monate vor Reiseantritt mussten ihm Zehen amputiert werden. Obwohl es zu massiven Wundheilungsstörungen mit Nach-OP kam, sagte er die Reise erst eine Woche vor dem beabsichtigten Beginn ab. Von den Stornokosten in Höhe von 1.150 € übernahm die beklagte Versicherung nur knapp 200 € mit der BEgründung, dieser Betrag wäre angefallen, hätte der Kläger die Reise spätestens 30 Tage vor Antritt abgesagt.
Das LG Coburg gab der Versicherung Recht und ist der Auffassung, den Kläger traf die vertragliche Pflicht, bei Eintritt des Versicherungsfalls die Reise unverzüglich zu stornieren, um die Stornokosten möglichst gering zu halten. Diese Obliegenheit habe er grob fahrlässig verletzt. Denn spätestens rund zwei Monate vor dem Urlaubsbeginn hätte sich ihm wegen der Komplikationen aufdrängen müssen, dass er den Beschwernissen einer Busreise ohne Versorgung durch Pflegepersonal nicht gewachsen sein würde. Die Versicherung sei daher leistungsfrei.
LG Coburg, Urt. v. 27.03.2009 - 32 S 7/09


Reiserücktrittskostenversicherung mit Reiseabbruch
Verspricht der Versicherer bei einer Reiseabbruch-Versicherung die Erstattung des Wertes der nicht genutzten Reiseleistung, ist bei einer Pauschalreise für die Berechnung des Wertes des nicht genutzten Teils der Reiseleistung der Pauschalpreis maßgeblich.
BGH, 28. 1. 2004 – IV ZR 65/03, RRa 2004, 90     ...mehr