Praxis-Tipp im Reiserecht: Terror in USA und Angst

Dr. Ernst Führich ist Professor für Reiserecht an der Fachhochschule Kempten

Welches Recht gilt?                           Bei Pauschalreisen von Flug und Unterkunft gilt bei Buchung im Inland deutsches Recht, bei Individualreisen wie Linienflügen gilt das Recht des Anbieters, also der Airline.

Flugangst bei USA-Reise                    Für Linien- wie Charterflüge in die USA sowie für Städte-Pauschalreisen nach NY liegt derzeit kein Fall der höheren Gewalt vor, da die US-Behörden nicht mehr den Luftraum und Flughäfen sperren. Auch berechtigte Angst vor einem Terrorangriff oder einem Flug berechtigt nicht zur kostenfreien Stornierung. Angst ist Teil des persönlichen Lebenas- und Reiserisikos. Bei Rücktritt sind daher die vertraglichen Stornogebühren zu zahlen.

Wartezeiten                                        Erhöhte Sicherheitskontrollen führen zu Wartezeiten und Unannehmlichkeiten. Diese sind ersatzlos als Lebens- und Reiserisiko hinzunehmen. Es gibt insoweit weder eine Preisreduktion noch einen Folgeschaden als Schadenersatz erstattet.

Flugangst und Naher Osten                Bei Urlaubsreisen in arabische Gebiete des Nahen Ostens, die Türkei oder andere Länder gibt es derzeit keine kostenfreie Stornierung. Solange keine dringende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für ein Land vorliegt, ist davon auszugehen, dass keine Gefährdung der Reise oder der Urlauber vorliegt. Sollte sich die Krise zuspitzen und der Reisende während des Urlaubs von Kriegshandlungen überrascht werden, können der Veranstalter wie der Urlauber die Reise sofort wegen höherer Gewalt abbrechen. Höhere Gewalt liegt dann vor, wenn durch ein plötzliches Ereignis, das weder aus der Privatsphäre des Urlaubers (z. B. Krankheit) noch aus der Betriebssphäre des Veranstalters (z. B. Streik beim Hotelier) die Reise erheblich gefährdet, erschwert oder beeinträchtigt ist und diese Umstände noch nicht bei der Buchung der Reise erkennbar waren (§ 651 j BGB)

Reiserücktrittskostenversicherung      Diese Versicherung übernimmt keine Stornokosten bei Fällen der höheren Gewalt oder Angst. Versicherungsfälle sind beispielsweise plötzliche schwere Erkrankung in der Familie mit Nachweis durch ärztliches Attest.

Auskünfte                                           Fluggesellschaften und Reiseveranstalter sind verpflichtet, Kunden über die aktuelle Situation zu informieren. Kunden sollen dort um Aufklärung bitten. Konkrete Ratschläge und Einschätzungen zur Situation können unter www.auswaertiges-amt.de abgerufen werden.

Telefonisch sind die Informationen unter 0 18 88-17-4 44 44 zu erreichen. Auch hat das Ministerium spezielle Telefonnummern für Angehörige von USA-Reisenden eingerichtet. Sie lauten 0 18 88-17 46 00 oder 02 28-17 46 00.

Literatur zum Thema:

Führich, Reiserecht von A-Z,
Beck-Rechtsberater im dtv, 2. Aufl. 2000, Stichwort: Kündigung wegen höherer Gewalt

Diese Hinweise können unter namentlicher Nennung der Quelle in einem Presseorgan zitiert werden©.

Kempten, den 30. Oktober 2001