Reiserecht-Tipps

Schneerisiken im Skiurlaub

Der Winterurlaub bringt für viele Reisenden nicht nur Freuden im Schnee. Manchmal versinken Hotels und Skigebiete im Schnee. In vielen Skigebieten gibt es nur weiße Kunstschneeabfahrten auf grünen Hängen. Das Klima wird immer unberechenbarer. Unfälle auf der Piste führen zu Rechtsstreitigkeiten oder enttäuschte Urlauber verklagen die Gastgeber auf Schadensersatz. Prof. Dr. Führich, gibt rechtssichere Tipps.


Keine Haftung für Schneeverhältnisse

Witterungsbedingte Mängel in der Umgebung des Reiseziels führen grundsätzlich nicht zu einem Reisemangel. Jeder Reisende weiß, dass Schneemangel zur Unbenutzbarkeit von Skipisten oder Loipen führen kann. Auch muss bei risikoreichen Wetterlagen mit Lawinenabgängen und entsprechenden Folgen für die Freizeitgestaltung und die Anreise gerechnet werden. Deshalb sind solche natürlichen Einflüsse auf den Verlauf einer Reise dem "Allgemeinen Lebensrisiko" des Reisenden zuzurechnen. Ansprüche des Reisenden gegen den Reiseveranstalter bestehen nicht und zwar weder auf Minderung des Reisepreises noch auf einen verschuldensabhängigen Schadensersatz wegen nutzloser Aufwendungen oder vertaner Urlaubszeit.

Keine Höhere Gewalt
Fehlender Schnee kann auch nicht als höhere Gewalt wie eine Lawine oder verschüttete oder gesperrte Straßen angesehen werden, da es an der Gewalteinwirkung
fehlt. Eine Reiserücktrittsversicherung übernimmt nicht die oft hohen Stornokosten des Urlaubers. Die eingeschränkte Tauglichkeit der Umgebung eines Feriengebiets zum Skifahren stellt keinen Mangel dar, urteilte das Amtsgericht Viechtach im Bayerischen Wald (2 C 463/06).

Skiunfall grundsätzlich Lebensrisiko

Auch ein Skiunfall stellt sich als Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos dar, für das der Veranstalter nicht haftet, hat das Oberlandesgericht Celle
entschieden (11 U 70/01). Auch für Lawinen wird daher grundsätzlich außerhalb eines organisierten Skigebiets nicht gehaftet, außer dem Reiseveranstalter und seinen Skiführern kann eine Pflichtverletzung bei der Tourenführung zu Last gelegt werden (Oberlandesgericht München, 8 U 2053/01).

Lawinengefahr
Bei einer Schneekatastrophe, Lawinengefahr  oder Straßensperre kann ein Urlauber seine Reise nur dann kostenfrei stornieren, wenn eine extreme Gefährdung von Personen oder der Reisedurchführung vorliegt. Daher hat das Amtsgericht Herne entschieden, dass bei Lawinengefahr der höchsten Stufe 5 die Reise vom Urlauber kurzfristig und ohne Stornokosten gekündigt werden kann (Az: 2 C 175/99).

Lawine deckt Hotel ab: Reisemangel

Wenn das gebuchte Hotel oder die Zufahrt (nach Lech) in einem Gebiet liegt, das konkret durch Lawinen beinträchtigt ist, liegt ein verschuldensunabhängiger Reisemangel vor; nicht aber, wenn sich die Gefährdung lediglich auf die weitere Umgebung des Urlaubsortes auswirkt, mögen dadurch auch die Möglichkeiten der Urlaubsgestaltung eingeschränkt sein. Der Reisende kann dann ausnahmsweise den Reisepreis mindern oder den Reisevertrag kündigen. Ein Schadensersatzanspruch steht ihm aber nicht zu, da dieser ein Verschulden des Reiseveranstalters voraussetzt.

Schneegarantie
Ein Mangel kann auch dann vorliegen, wenn der Veranstalter in seiner Reiseausschreibung unzutreffende Angaben macht. Wenn der Reiseveranstalter eine Schneegarantie verspricht, liegt eine zugesicherte Eigenschaft der Reise vor. Diese Zusage muss der Veranstalter auch ohne wenn und aber einhalten, wenn die Lifte und Seilbahnen nicht laufen (Amtsgericht Münster, 59 C 2377/03). Schneesicher heißt aber nicht, dass eine längere Anfahrt mit dem Pkw oder dem Skibus bis zur Piste unzumutbar ist. So sprach das Landgericht Frankfurt/M einer Familie eine teilweise Erstattung des Reisepreises zu, weil ihr Wintersportort in der Schweiz mehr als 500 Meter niedriger lag als im Prospekt zugesagt und daher eine schlechte Schneelage hatte (Az: 2/24 S 480/89). Ich rate bei Schneegarantie genau in den Prospekt und in die Geschäftsbedingungen zu schauen, da der Veranstalter die Konditionen der Zusicherung durch eine solche freiwillige Garantie festlegen kann.Informationspflichten
Auch ist der Reiseveranstalter verpflichtet, in seinem Prospekt über die am Urlaubsort üblicher Weise herrschenden Witterungsverhältnisse und davon mögliche Abweichungen zu informieren. Ihn trifft auch die Verpflichtung, zu diesem Zweck das Urlaubsgebiet zu beobachten. Ist daher für eine Skireise mit einem erheblichen Schneemangel zu rechnen, ist der Reisende beim Abschluss des Reisevertrages bzw. vor Antritt der Reise davon zu informieren. Der Reisende muss die Möglichkeit haben zu prüfen, ob er dennoch die Reise antreten will oder lieber zu Hause bleibt. Unterlässt der Reiseveranstalter diese Informationen, wird die Reise deswegen mangelhaft und berechtigt den Reisenden zur Minderung des Reisepreises. Wird die Informationspflicht schuldhaft verletzt, kann auch eine Schadensersatzpflicht des Reiseveranstalters wegen vertaner Urlaubszeit die Folge sein.

Literatur zum Thema:


Führich, Reiserecht, 6. Auflage 2010, Mängel- und Minderungsübersicht, Skireisen, Rn. 345 ff.; Führich, Reiserecht von A-Z, dtv 2006, Stichwort: Skireise

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