Reiserecht-Tipps

Geheimsprache in Reisekatalogen

1. Werbung oder Reisebeschreibung
Der Prospekt eines Reiseveranstalters stellt oft für den Urlauber die einzige Informationsquelle dar und ist die Grundlage der Buchung seiner Reise. Daher muss der Prospekt ehrlich und für einen Durchschnittsreisenden verständlich sein. Anderseits ist der Prospekt für das Reiseunternehmen das Werbemittel, so dass der Veranstalter versucht ist, mit einer schönfärberischen Sprache und Hochglanzfotos, den Kunden von der Qualität der Reise zu überzeugen und die „Reise schön zu schreiben“. Prospekte müssen verkaufen!

2. Gesetz fordert Prospektwahrheit und Klarheit
Demgegenüber stellt das Gesetz in der BGB-InfoV unmissverständlich fest, dass alle Werbemedien deutliche, klare und genaue Preis- und Reiseangaben enthalten müssen. Will der Veranstalter sich nicht präzise festlegen wie z. B. mit welcher Airline der Flug nach Mallorca durchgeführt wird, muss er einen deutlichen Änderungsvorbehalt bei der betreffenden Katalogaussage machen. sein. Der Urlauber darf damit auf die Richtigkeit und auf die Vollständigkeit der Prospektangaben vertrauen. Die Gerichte sprechen hier vom Grundsatz der Prospektwahrheit und Prospektklarheit. Wenn man 10 Jahre alte Prospekte mit denen von heute vergleicht, dann sind sie auf jeden Fall ehrlicher geworden. Trotzdem scheint nicht alles zu stimmen, was in den Reisebeschreibungen steht, sonst hätten wir nicht so viele Kundenreklamationen.

3. Inhaltsleere Sprüche sind keine Katalogangaben
Wie wir wissen, sind nicht alle Urlaubsgegenden auch Urlaubsparadiese. Trotzdem versprechen manche Kataloge mit klischeehaften Anpreisungen und inhaltsleeren Aussagen bereits das Paradies auf Erden. „Paradies oder Traumurlaub“ sind jedoch keine sachlichen Katalogaussagen, sondern Begriffe aus der Gefühlswelt, auf die der Urlauber nicht vertrauen darf.

4. Unklarheiten gehen zu Lasten des Veranstalters
Wenn aber im Prospekt klar und deutlich auf mögliche Nachteile der Reise wie Verkehrslärm, Fluglärm oder die Strandverhältnisse hingewiesen wird, haftet der Reiseveranstalter nicht auf Preisminderung oder Schadensersatz. Ist die Prospektangabe jedoch unklar, geht dies zu Lasten des Reiseveranstalters und er muss einen Teil des Preises zurückzahlen, wenn z. B. Kräne und Presslufthämmer einer Baustelle neben dem Hotel die Urlaubsfreude trüben. Auf missverständliche Formulierungen und Verschleierungen oder gar bewusste Auslassungen kann sich der Veranstalter also nicht berufen. Trotzdem versuchen manche Veranstalter immer noch ihre Prospekte „schönzuschreiben“. Als unklare und damit unwirksame Geheimsprache haben die Gerichte angesehen:
• Hotel in zentraler Lage für Verkehrslärm,
• Neu eröffnetes Hotel für unvollendete Gartenanlegen und Kinderkrankheiten im Betriebsablauf,
• Hotel mit eigenem Strand, wenn eine Strasse überquert werden muss,
• Internationales Publikum für Hotellärm durch Gäste,
• In der Nähe des Flughafens für ein Hotel in der Einflugschneise,
• Sichere und sanfte Anstiege und Genussabfahrten entlasten nicht bei einem Lawinenunfall. Daher hat ein Spezialveranstalter für Ski- und Bergreisen im Prospekt über die Risiken vollständig aufzuklären. Das gilt umso mehr, wenn sich das Angebot an Anfänger einer Sportart richtet.

5. Zulässige Katalogsprache
Folgende Umschreibungen von Beeinträchtigungen einer Reise haben die Gerichte noch toleriert und den Urlaubern keine Preisminderungen gewährt:
• Direktflug ist kein Nonstopp-Flug, daher sind beim Direktflug Zwischenlandungen hinzunehmen,
• Saubere und zweckmäßig eingerichtete Zimmer für wenig Komfort,
• Hotel für Unternehmungslustige oder lebhaftes Hotel für ständigen Lärm von Mitreisenden,
• Gelegentliche Lärmbelästigungen bei 1 bis 2 Stunden Lärm, aber keinen Dauerlärm,
• Kinderfreundliches Haus für Störungen durch Kinderlärm,
• Schwerpunkt des Nachtlebens für ein Ort wo nachts der Bär los ist,
• Ruhige Lage für hier sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht,
• Meerseite garantiert kein Zimmer mit Meerblick, sondern es sind Häuser dazwischen,
• Beheizbarer Swimmingpool für Heizung wird nicht garantiert,
• Naturbelassener Hotelstrand für einen ungepflegten Strand mit Abwasserzuläufen
• Strand für Sand-, aber auch für Kiesstrand.

Literatur zum Thema:

Führich, Mein Recht auf Reisen, Beck-Rechtsberater im dtv, Neuauflage 2003, S. 23 ff.
Führich
, Reiserecht von A-Z, Beck-Rechtsberater im dtv, 2. Aufl. 2000, Stichwort: Prospektwahrheit und Prospektklarheit
Führich, Reiserecht, 5. Auflage 2005, Rn 226 ff..

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