Reiserecht-Tipps

                           1 voll vertaner Urlaubstag = 1 Gesamttagespreis als Entschädigung

Nach § 651 f II BGB kann der Reisende einer Pauschalreise - und nur dieser - wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen, wenn die Reise infolge eines verschuldeten Mangels vereitelt (Ausfall, Überbuchung, berechtigte Kündigung wegen Mängel) oder erheblich beeinträchtigt (ein Tag mehr als 50 %) ist. Dieser immaterielle "Frustrationsschaden" kann zusätzlich zu einem nachgewiesenen Personen-, Sach- oder Vermögensschaden
und neben einer Preisminderung für Reisemängel verlangt werden.
Nach der Grundsatz-Entscheidung des BGH vom 11.1.2005 (NJW 2005, 1047), in der es um die Überbuchung eines Hotels auf den Malediven ging, ist nicht mehr das Einkommen des Reisenden die Bezugsgröße für die Höhe der Entschädigung. Richtigerweise ist alleine auf den Reisepreis abzustellen, denn der Reisezweck kann am besten daran gemessen werden, wie viel dem Reisenden sein Urlaub wert ist und wieviel er dafür pro vertanen Tag investiert hat. Daher ist seit dieser Entscheidung des BGH das von vielen Gerichten bisher angewendete Tagessatzsystem nicht mehr angemessen und überholt (vgl. oben Nr. 6: LG Frankfurt a.M., 27.7.2006 – 2-24 S 359/03, RRa 2006, 264).
Die Höhe der Entschädigung bestimmt sich also nach allen Umständen des Einzelfalls, die sich aus dem Maß der Reisebeeinträchtigung, der Schwere des Verschuldens und der Höhe des Reisepreises ergeben. Ein Beispiel soll die Berechnung erklären:     

Beispiel: Eine zehntägige Pauschalreise wird wegen erheblicher Reisemängel wie Baulärm, geschlossenen Hoteleinrichtungen und fehlender gebuchter Reiseleistungen ab dem fünften Tag erheblich um 70 % beeinträchtigt: 2000 € Reisepreis / 10 Reisetage = 200 € Tagesgesamtpreis x 5 vertane Urlaubtage x 70 % = 700 € Entschädigung. Ist der betroffene Reisetag wie hier um 70 % vertan, wird der Tagesgesamtpreis mit dieser Prozentquote multipliziert, also ergibt sich ein Betrag von 700 €. Als Untergrenze ist in jedem Fall 50 % zu ziehen, da nur dann ein Reisetag erheblich vertan ist. Reisetage sind alle gebuchten Tage, also auch der An- und Abreisetag, auch wenn unzutreffend manche AGB der Veranstalter dies anders sehen wollen.

Literatur zum Thema:

Führich, Reiserecht, 5. Auflage 2005, Rn. 409 ff.; Führich, Reiserecht von A-Z, dtv 2006, Stichwort: Nutzlos aufgewendete Urlaubszeit

Diese Hinweise können unter namentlicher Nennung der Quelle
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