Reiserecht - FH Kempten Newsletter 9/2007 September 2007
Der Newsletter des CCR Competenz Centrum Reiserecht
an der Fachhochschule Kempten
Leitung: Prof. Dr. Ernst Führich
Im Internet sind wir unter folgender
Adresse zu erreichen: http://www.reiserecht-fuehrich.de
http://www.fuehrich.de
http://www.reiserecht-web.de.de

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7. September 2007

Sehr geehrte Damen und Herren,
hier der Newsletter für den Monat September 2007 mit folgenden Inhalten:

1. Reiserechts - News
+ Ratgeber Reiserecht im Internet
+ Basiswissen Reiserecht, Grundriss des Reisevertrags- und Individualreiserechts erschienen
+ Sicherungsschein: Wissenslücken beim Urlauber

2. Neue Urteile im Reiserecht
I. Pauschalreise und Reisevertrag
II. Flug und Fluggastrechte nach EG (VO) Nr. 261/2004
III. Flug und Montrealer Übereinkommen und Luftbeförderungsvertrag
IV. Reisevermittlung und Geschäftsbesorgungsvertrag

3. Praxis-Tipp des Monats September 2007: Welche Rechte hat der Fahrgast beim Bahnstreik?

4. Reiserechts-Literatur September 2007

Ich grüße Sie recht herzlich und freue mich, Sie möglicherweise anläßlich des 15. Reiserechtstags am 28./29.
September 2007 in Regensburg wiederzusehen (www.dgfr.de).

Herzlichst
Ihr Prof. Dr. Ernst Führich


######################################### 1. Reiserechts - News ##########################

++++ Ratgeber Reiserecht im Internet ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Folgende Links geben Urlaubern und Reisenden nützliche Ratschläge bei Reiseproblemen. Die Links verweisen
auf Presseartikel des Sommers 2007 und geben die Rechtslage zutreffend wieder.
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++++++++++++++++++ Führich, Basiswissen Reiserecht erschienen ++++++++++++++++++++++++++++

Mein neues Lehrbuch Basiswissen Reiserecht, Grundriss des Reisevertrags- und Individualreiserechts, 2007. 220 S.,
Kartoniert, Vahlen ISBN 978-3-8006-3439-2, € 20,00 ist am 30. August 2007 erschienen. Es kann versandkostenfrei
bei Amazon bestellt werden.
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++++++++++ Sicherungsschein: Wissenslücken beim Urlauber ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung GfK ergab, dass fast jeder zweite Pauschalreisende nicht weiß,
welche Bedeutung der 1994 eingeführte Sicherungsschein zum Nachweis einer Insolvenzsicherung des Reiseveranstalters
hat. 47 % waren unrichtigerweise der Auffassung, der Sicherungsschein schütze auch bei einem Reiserücktritt.
34,7 % glaubten, auch bei Krankheit oder bei einem Unfall im Ausland abgesichert zu sein (Quelle: Travel Tribune)
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########################### 2. Neue Urteile im Reiserecht ###############################################

++++++++++++++++++++ I. Pauschalreise und Reisevertrag ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

************************ 48. BGH / Zusatzleistungen am Urlaubsort / Fremdleistungsklausel *************************************

Der Pauschalreiseveranstalter haftet auch für am Urlaubsort gebuchte Zusatzleistungen, wenn er durch sein tatsächliches
Auftreten dem Reisenden gegenüber den Eindruck einer Eigenleistung erweckt hat. Ob vor Ort verwendete Vermittler- bzw.
Fremdleistungsklauseln diesen Eindruck verhindern oder hinter dem anderweitigen Verhalten des Reiseveranstalters zurücktreten,
unterliegt der tatrichterlichen Würdigung.
BGH, Urt. v. 19.6.2007 – X ZR 61/06 (Vorinstanzen: LG Frankfurt a.M., RRa 2006, 73; OLG Frankfurt a.M., RRa 2006, 217)

************************ 47. Allgemeine Reisebedingungen / Pflichten des Reisenden / Beschaffung der Reisedokumente*******

Eine Bestimmung in Allgemeinen Reisebedingungen, wonach der Reisende für die Beschaffung gültiger Dokumente selbst
verantwortlich ist, ist wirksam.
LG Hamburg, Urt. v. 22.5.07 - 309 S 285/06

***************************** 46. Nichtantritt der Pauschalreise / Rücktrittserklärung *************************************************

Der bloße Nichtantritt des Hinflugs einer Pauschalreise ist keine konkludente Rücktrittserklärung im Sinne von § 651i I BGB.
LG Frankfurt a.M., Urt. v. 30.08.2007 - 2 - 24 S 39 / 07


****************************************** 45. Reisemangel / Glastüre / Beleuchtung ***************************************************

1. Ein Reisemangel liegt nicht vor, wenn eine Glastüre innerhalb einer Wohneinheit nicht aus splitterfreiem Glas besteht bzw.
nicht durch Aufkleber markiert ist.
2. Dagegen liegt ein Reisemangel vor, wenn der Verbindungsbereich zwischen 2 Räumen innerhalb einer Wohneinheit nicht zu
beleuchten ist. Der Reisende muss jedoch beweisen, dass zum Zeitpunkt des Unfalls, für den er Schadensersatzansprüche
geltend macht, der Bereich auch nicht durch den Lichtschein aus dem angrenzenden Zimmer beleuchtet war.
OLG Köln, Urt. v. 18.12.2006 - 16 U 31/06, RRa 2007, 164


*************************************************** 44. Reise / Überbuchung / Abhilfefrist ****************************************************

Bei einer 1-wöchigen Reise ist eine Frist von einem Tag zur Abhilfe nach § 651 e BGB angemessen. Eine Abhilfe noch am gleichen
Tag kann bei einer Unterbringung in einem nicht gleichwertigen Ersatz-Hotel nicht verlangt werden.
AG Duisburg, Urt. v. 25.1.2007 - 49 C 5022/06, RRa 2007, 170


*************************** 43. Reisevertrag / Bordgewalt / Luftsicherheitsgesetz /Verweisung von Bord ************************************

Ein sich nicht sicherheitsgerecht verhaltender Reisender kann gegen einen Reiseveranstalter keine Ansprüche aus Verletzung
reisevertraglicher Pflichten gem. § 651 f BGB geltend machen, wenn er vom Flugzeugführer von Bord verwiesen wird, da das
Verhalten des Flugzeugführers dem Veranstalter nicht nach § 278 BGB zugerechnet werden kann, da dieser insoweit nicht sein
Erfüllungsgehilfe ist.
AG Hannover, Urt. v. 23.8.2006 - 568 C 17807/05, RRa 2007, 172

**************************** 42. Reisemangel / Kündigung / 12-stündige Abflugverzögerung / Kurzreise ***************************************

Ein Reisender ist nach § 651e I 1 BGB zur Kündigung der Reise berechtigt, wenn sich bei einer Kurzreise von 7 Tagen die Abflugzeit
um mehr als 12 Stunden verschiebt. Das stellt einen Reisemangel im Sinne des § 651c Abs. 1 BGB dar, der angesichts des Zuschnitts
der geplanten Reise diese erheblich beeinträchtigte.
LG Frankfurt a.M., Urt. v. 26.7.2007 - 2 - 24 S 289 / 06

*************************** 41. Reise / Rollstuhlfahrer / Behindertengerechte Unterkunft / Nachfragepflicht ****************************************

Bucht ein erkennbar schwer behinderter Rollstuhlfahrer eine Pauschalreise, so ist der Reiseveranstalter (und das die Buchung vermittelnde
Reisebüro) verpflichtet, die notwendigen Voraussetzungen für eine behindertengerechte Unterkunft zu schaffen. Sie haben durch Nachfrage
bei dem Behinderten zu erkunden, welches seine besonderen Bedürfnisse sind, dieselben in der schriftlichen Anmeldung festzuhalten
und für ihre Verwirklichung bis zum Antritt der Reise zu sorgen (Bestätigung LG Frankfurt a.M., NJW 1989, 2397).
LG Frankfurt a.M., am 26.7.2007 - 2 - 24 S 213 / 06

****************************************** 40. Flugverspätung / Minderung / Unannehmlichkeit / 4-Stunden-Toleranz **********************************

An der Auffassung, dass Reisende im Rahmen von Flugpauschalreisen eine Flugverspätung von vier Stunden entschädigungslos
als Unannehmlichkeit hinnehmen müssen, wird festgehalten.
LG Frankfurt a.M., Urt. v. 26.7.2007 - 2 - 24 S 223 / 06

******************************* 39. Kreuzfahrt / Ausschlussfrist / Ungezieferbefall / Schiffskabine ***************************************************

Kann der Reisende einer Kreuzfahrt einen Reisemangel in Form eines Befalles seiner Kabine durch Ungeziefer nicht binnen einem Monat
nach Beendigung der Reise bei dem Reiseveranstalter anmelden, weil bis dahin noch keiner der von ihm konsultierten Ärzte die an der
Haut des Reiseteilnehmers aufgetretenen Blasen als Folge von Insektenstichen diagnostiziert habe, dann schadet die Versäumung der Frist,
da sie unverschuldet ist, nicht. Der Reisende muss jedoch beweisen, dass er keine frühere Kenntnis von dem Reisemangel hatte und also auch,
dass keiner der Ärzte innerhalb der Monatsfrist auf Insektenstiche als Ursache der Hautreaktionen hingewiesen hat. (Leitsätze der NJW-RR-Redaktion)
LG Düsseldorf, Urt. v. 13.7.2006 – 1 O 254/05, NJW-RR 2007, 931

******************************************* 38. Reiseveranstalter / Diebstahl im Hotelzimmer / Hotelsafe **************************************************

Der Umstand, dass im gebuchten Hotel kein Hotelsafe angeboten wurde, kann nicht als Reisemangel angesehen werden, wenn vom
Reiseveranstalter die Ausstattung des Hotels mit einem Hotelsafe nicht geschuldet war.
AG Stuttgart, Urt. v. 12.6.2007 – 18 C 1636/07

******************************** 37. Reisevertrag / Verpasster Zubringerflug zum Kreuzfahrtschiff / Kündigung **********************************************

Erkennt ein Reisender der mit einem Direktflug (hier Düsseldorf – Madrid – Miami) zu einem Kreuzfahrtschiff geflogen werden soll, dass er wegen
erheblicher Abflugverspätung in Düsseldorf den Anschlussflug am Zwischenlandeort nicht werde erreichen können, so muss er versuchen,
den Reiseveranstalter unter die in den Reiseunterlagen angegebene Notfallrufnummer zu erreichen. Er kann aber nicht einfach wieder nach
Düsseldorf zurückfliegen, auch wenn er wusste, dass das Schiff noch am Tag der Ankunft des nicht erreichten Anschlussfluges den Hafen
verlassen würde.
LG Frankfurt a. M., Urt. v. 2.11.2006 – 2/19 0 201/05

*********************************** 36. Verkehrssicherungspflicht / Etagenbett ***************************************************************************

Der Reiseveranstalter haftet nicht wegen Verletzung seiner Verkehrssicherungspflicht beim Sturz eines 7jährigen Kindes aus einem oberen
Etagenbett, das nur teilweise mit einer Absturzsicherung versehen war.
OLG Karlsruhe, Urt. v. 18.4.2007 - 7 U 73/06, RRa 2007, 163 m. Anm. Tonner

******************************* 35. Reise / Zugesicherte Eigenschaft / Komfortklasse / Flug / Kündigung **********************************************

Die bestätigte Beförderung in der Komfortklasse eines Pauschalreisefluges ist eine zugesicherte Eigenschaft. Die Nichteinhaltung dieser Zusicherung
ist ein Reisemangel, der eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise darstellt und zur Kündigung des Reisevertrages berechtigt.
LG Duisburg, Urt. v. 19.1.2007 - I O 229/06, RRa 2007, 167

****** 34. BGH: Verkehrssicherungspflichtverletzung als Reisemangel / Ausschlussfrist / Aushändigung des Prospekts ***************************

1. Die Beeinträchtigung, die ein Reisender durch eine Verletzung der Ver-kehrssicherungspflicht des Reiseveranstalters erleidet, kann einen
Reisemangel darstellen.
2. Eine § 6 Abs. 4 Satz 1 BGB-InfoV genügende Verweisung des Reiseveranstalters auf Prospektangaben über die Ausschlussfrist des § 651g I BGB
muss zumindest einen Hinweis auf die Existenz von Ausschlussfristen und auf deren Fundstelle im Prospekt enthalten.
3. Der Ersatz von Angaben über die Ausschlussfrist des § 651g I BGB in der Reisebestätigung durch Verweisung auf den Prospekt
setzt zumindest bei einer Buchung im Reisebüro voraus, dass der Reiseveranstalter dem Reisenden den Prospekt ausgehändigt hat.
4. Wenn der Reiseveranstalter seine Pflicht zum Hinweis auf die Ausschluss-frist des § 651g I BGB nicht erfüllt hat, besteht eine widerlegliche
Vermutung dafür, dass die Fristversäumung des Reisenden entschuldigt ist.
5. Die Versäumung der Ausschlussfrist des § 651g I BGB ist entschuldigt, soweit der Reisende gesundheitliche Spätschäden geltend macht,
die für ihn persönlich bis zum Fristablauf nicht vorhersehbar waren.
6. Ein Reisender, der die Ausschlussfrist des § 651g I BGB mangels Kenntnis seiner Ansprüche unverschuldet versäumt hat, braucht nach
Kenntniserlangung die Anspruchsanmeldung nur dann unverzüglich nachzuholen, wenn der Reiseveranstalter ihn bei Vertragsschluss auf die
Ausschlussfrist hingewiesen oder wenn er sie anderweitig in Erfahrung gebracht hatte (Fortführung von BGH, Urt. v. 22.06.2004 - X ZR 171/03).
Dafür trägt der Reiseveranstalter die Darlegungs- und Beweislast.
BGH, Urt. v. 12. Juni 2007 - X ZR 87/06 - OLG Celle - LG Hannover


+++++++++++++++++++++++++++++ II. Flug und Fluggastrechte nach EG (VO) Nr. 261/2004 +++++++++++++++++++++++++++++++

************** 49. Verordnung (EG) Nr. 261/2004 / BGH / Vorentscheidung durch EuGH / Verspätung / Annullierung / Vorlagebeschluss********

Dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften werden zur Auslegung von Art. 2 lit. l, 5 Abs. 1 lit. c der Verordnung (EG) Nr. 261/2004
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und
Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen und zur
Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295/91 (ABl. L 46, S. 1) folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:

1. Ist bei der Auslegung des Begriffs "Annullierung" entscheidend darauf abzustellen, ob die ursprüngliche Flugplanung aufgegeben wird,
so dass eine Verzögerung unabhängig von ihrer Dauer keine Annullierung darstellt, wenn die Fluggesellschaft die Planung des ursprünglichen
Fluges nicht aufgibt?
2. Falls die Frage zu 1 verneint wird: Unter welchen Umständen ist eine Verzögerung des geplanten Fluges nicht mehr als Verspätung,
sondern als Annullierung zu behandeln? Hängt die Beantwortung dieser Frage von der Dauer der Verspätung ab?
BGH, Beschl. v. 17. Juli 2007 - X ZR 95/06

******************** 48. Verordnung (EG) Nr. 261/ 2004 / Außergewöhnliche Unstände / Technischer Defekt ************************************

Als "außergewöhnliche Umstände" können nur solche angesehen werden können, die nicht in die betriebliche Sphäre des Luftfahrtunternehmens
fallen. Da dies bei technischen Problemen aber nicht der Fall ist, kann hier selbst ein tatsächlich vorliegender Defekt an der Hydraulik nicht
zu einer Entlastung der Beklagten führen.
AG Wedding, Urt. v. 24.5.2007 – 22a C 38/07

***************************** 47. Verordnung (EG) Nr. 261/ 2004 / Rundflug / Erscheinen am Abfertigungsschalter ***********************************

Werden Hin- und Rückflug von München über Zürich nach Lissabon und zurück gemeinsam gebucht und mit einem einheitlichen Reisepreis
berechnet, ist von einem Rundflug auszugehen, so dass der Anwendungsbereich der Verordnung auch dann geöffnet ist, wenn die
Nichtbeförderung auf dem Rückflug erst nach einem Zwischenaufenthalt auf einer Teilstrecke des Fluges (hier von Zürich nach München) erfolgt.
Die Verlegung des Klägers auf einem Flug von Zürich nach München am folgenden Tag stellt sich als Nichtbeförderung dar.
Dem steht nicht entgegen, dass der Kläger aufgrund einer Verspätung der Beförderung auf dem vorausgegangenen Flugabschnitte nicht erreicht hat.
Auf die Ursache der Verlegung des Fluggastes auf einen anderen Flug durch das Luftfahrtunternehmen kommt es nach dem
ausdrücklichen Wortlaut von Art. 3 Abs. 2 lit. b) VO nicht an.
AG Frankfurt a.M., Urt. v. 28.6.2007 – 29 C 370/07 - 46

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+++++++++++++++++++++++++ III. Flug und Montrealer Übereinkommen und Luftbeförderungsvertrag ++++++++++++++++++

************************************* 9. Überkreuzbuchung / Verfall des Rückfluges / IATA-Klausel ***************************************
Ein Luftfahrtunternehmen darf dem Reisenden nicht den Rückflug verweigern, wenn er den Abschnitt des Flugscheins über den Hinflug
nicht benutzt hat. Eine Klausel, wonach der Beförderungsanspruch entfällt, wenn die Beförderung teilweise oder nicht in der im Flugschein
vorgesehenen Reihenfolge in Anspruch genommen wird, ist unwirksam.
AG Erdung, Urt. v. 27.3.2007 - 4 C 129/07, RRa 2007, 184

********************************* 8. AGB / Einreisestrafe / Überraschende Klausel *****************************************************************

Eine Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wonach der Luftfrachtführer eine vom Einreisestaat vom ihm erhobene "Einreisestrafe"
(weil der Fluggast nicht die zur Einreise notwendigen Dokumente vorlegen kann) vom Reisenden erstattet verlangen darf, verstößt
gegen das Verbot überraschender Klauseln (§ 305 c I BGB).
LG Aschaffenburg, Urt. v. 1.6.2006 – 2 S 36/06, NJW-RR 2007, 1128

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+++++++++++++++++++++++ IV. Reisevermittlung ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

********************************** Reisevermittlung / Visum-Beschaffung / Entschädigung / Analogie § 615 f II BGB ************************

1. § 651f II BGB, wonach der Reisende auch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen
kann, kann auf Verträge, die keine Reiseverträge sind, nur dann analog angewendet werden, wenn sich der Reiseveranstalter verpflichtet hat,
dem Reisenden eine Gesamtheit von mindestens zwei eigenständigen Reiseleistungen zu erbringen.
2. Die Übernahme der Visa-Beschaffung gegen Entgelt ist keine eigenständige Reiseleistung i.S.d. § 651a BGB.
LG Stuttgart, Urt. v. 25.1.2007 – 12 O 488/06

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############################ 3. Praxistipp: Welche Rechte hat der Fahrgast beim Bahnstreik? ##################

1. Muss die Bahn den Fahrpreis erstatten, wenn gestreikt wird?

Führich: Hat der Streik eine Zugverspätung mit einem versäumten Anschlusszug oder einen Ausfall eines Zuges zur Folge,
verpflichtet sich die Bahn in ihren Beförderungsbedingungen zu einer entgeltfreien Erstattung des Fahrpreises für die nicht gefahrene Strecke.

2. Darf man andere Züge mit der Fahrkarte benutzen?

Führich: Der Reisende kann auch, soweit möglich, ohne zusätzliches Entgelt seine Reise mit einem Zug fortsetzen, welcher auf der
gleichen oder auf einer anderen Strecke zu seinem Zielbahnhof fährt und es ihm ermöglicht, mit geringer Verspätung sein Reiseziel
zu erreichen. Das gilt auch dann, wenn der Reisende sich mit einem Sparpreis auf einen bestimmten Zug festgelegt hat.

3. Können Kunden eine Entschädigung für lange Wartezeiten verlangen?

Führich: Weder die Eisenbahnverkehrsordnung in § 17 EVO noch die Beförderungsbedingungen sehen eine Entschädigung für
Wartezeiten vor. Wartezeit ist per se auch kein ersatzfähiger Vermögensschaden. Die Beförderungsbedingungen sehen lediglich
eine teilweise Fahrpreiserstattung bei Zugausfall und Verspätung vor. Nur im Fernverkehr (ICE, IC, EC) werden Entschädigungsleistungen
in Form von Gutscheinen im Wert von 20 % des Fahrpreises
erbracht, sollte die Verspätung am Ziel mehr als 60 Minuten betragen bzw. der Zug ausfallen. Für Inhaber von Zeitkarten gilt eine
modifizierte Regelung. Diese 20 % - Erstattung verweigert die Bahn jedoch bei Vorliegen unvermeidbarer, nicht abwendbarer höherer Gewalt
und beruft sich auf einen Auschlusstatbestand, den der Gesetzgeber im letzten Jahr in § 17 II EVO geschaffen hat. Die Bahn beruft sich beim
Streik ihrer Lokführer auf ihre fehlende Verantwortlichkeit und stuft den Streik ihrer Mitarbeiter als höhere Gewalt ein.
Diese Rechtsauffassung wird von der überwiegender Meinung der deutschen Reiserechtler nicht geteilt. Ein Streik der eigenen Mitarbeiter
ist nach der bisherigen Rechtsprechung im Reiserecht kein Ausschlussgrund für eine Entschädigung. Hier handelt es sich nicht um einen Streik
Dritter, sondern um eine Betriebsstörung aus der zu verantwortenden betrieblichen Sphäre der Bahn. Zudem hat die Bahn durchaus Einfluss
auf den Gang der Tarifverhandlungen und könnte den Streik verhindern.

4. Muss die Bahn eventuell entstehende Hotelübernachtungen bezahlen?

Führich: Unabhängig von der Fahrpreiserstattung sehen die EVO und die Beförderungsbedingungen nur dann einen minimalen
Schadensersatz vor, wenn die Fortsetzung der Reise nicht am selben Tag bis 24.00 Uhr möglich oder unzumutbar ist. Die
Entschädigung umfasst nur die dem Reisenden im Zusammenhang mit der Übernachtung und mit der Benachrichtigung der ihn
erwartenden Personen entstanden angemessenen Kosten. Selbst diese geringe Haftung ist ausgeschlossen, wenn die Störungen
auf außerhalb des Bahnbetriebes liegende Umstände zurückzuführen sind, welche für die Bahn unvermeidbar waren, bei Verschulden
des Reisenden oder wegen des Verhaltens Dritter (Selbsttötung). Da der Streik der Lokomotivführer von der Bahn als eine solche Störung
- rechtsirrig - angesehen wird, will Sie Hotelkosten nicht übernehmen!

5. Darf der Reisende ein Taxi nehmen und den Preis der Bahn in Rechnung stellen?

Führich: An sich kann der Reisende auch ein preisgünstigeres anderes Verkehrsmittel wie ein Taxi auf Kosten der Bahn benutzen,
wenn er keine Fahrpreiserstattung oder eine andere Zugverbindung wählt. Aber auch diese Taxikosten will die Bahn beim ihrem
Mitarbeiterstreik nicht zahlen.

6. Ist es möglich, dass ein Zug auf freier Strecke stoppt, weil gerade der Streikaufruf erfolgt?

Führich: Nein, das wäre ein Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit des Streikmittels. Für diese wesentliche
Pflichtverletzung ihrer Mitarbeiter muss die Bahn aus dem Rechtsgrund der Schutz- und Fürsorgehaftung einstehen.

7. Kann der Reisende dann Schadensersatz wegen Freiheitsberaubung verlangen?

Führich: Zwar versucht die Bahn in ihren Beförderungsbedingungen die Haftung in diesen Fällen auf typische, vorhersehbare
Schäden zu beschränken. Da jedoch eine Kardinalpflicht des Beförderungsvertrages mit dem Vertragspartner vorsätzlich
verletzt würde, kommt bei einer längeren Freiheitsberaubung auch ein angemessenes Schmerzensgeld in Betracht.
Zudem würde ich wegen dieser Tat eine Strafanzeige machen.

8. Darf man den Zug im Fall des Streiks auf freier Strecke verlassen?

Führich: Die entscheidet nicht der Bahnkunde, sondern der Zugführer, da dieser die "Bordgewalt" nach der EVO hat. Hierbei muss
berücksichtigt werden, dass es nicht ungefährlich ist, wenn alle betroffenen Reisenden auf den Gleisen umherirren.

9. Muss man den gebuchten Urlaub oder einen Flug auch bezahlen, wenn man nicht anreisen kann?

Führich: Ja, der Reisende trägt das Wegerisiko zum Flughafen oder zur Anreise zum Hotel. Der Reisende muss selbst seine
Anreise sicherstellen. Nach § 17 II EVO gibt es keine Entschädigung für Folgeschäden wie Stornokosten einer Pauschalreise
oder eines Fluges. Die ist meiner Meinung nach eine ungerechtfertigte Besserstellung der Bahn gegenüber anderen Verkehrsmitteln
wie Fluggesellschaften!

10. Wo bekomme ich weitere Informationen, ob Züge ausfallen?

Führich: Die Bahn informiert unter der kostenfreien Hotline 08000 / 996633 und unter www.bahn.de/aktuell über die Streikfolgen.


############################### 4. Reiserechts-Literatur September 2007 #################################

Bollweg, Hans-Georg, Die Neuordnung der Luftverkehrshaftung, ZEuP 2007, 798

Führich, Basiswissen Reiserecht, Grundriss des Reisevertrags- und Individualreiserechts, 2007, 220 S. Kartoniert,
Vahlen ISBN 978-3-8006-3439-2, 2007, € 20,00

Keiler, Stefan, Reisemangel durch Vorverlegung des Rückfluges. Ansprüche nach der Pauschalreise-RL und der Fluggäste-VO,
ZAK (Zivilrecht aktuell Österreich) 2007, 261

Koller, Ingo, Anm. zu BGH, Urt. v. 5.12.2006 – X ZR 165/03, RRa = NJW 2007, 997, in: LMK 2007, 213130

Kunz, Wolfgang, Fahrgastrechte im Eisenbahnfern- und -nahverkehr (Stand der Gesetzgebung), TranspR 2007, 226

Lehmann, Matthias, Wo verklagt man Billigflieger wegen Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von Flügen?, NJW 2007, 1500

Müller-Rostin, Wolf, Rechtliche Unsicherheiten bei der Neuregelung von Fluggastrechten - eine kritische Würdigung der
VO (EG) Nr. 261/2004 und zugleich eine Erwiderung zu Schmid in NJW 2006, 1841, NZV 2007, 242

Risse, Stefanie, Vertragsstörungen im Reiserecht, ZAP Verlag LexisNexis GmbH Deutschland, Münster 2007

Rodegra, Kai, Die nicht anrechenbare Geschäftsgebühr als Nebenforderung im Reiseprozess, RRa 2007, 161

Staudinger, Ansgar / Schmidt-Bendun, Rüdiger, Pauschalreise-, Luftverkehrs-, Eisenbahn- sowie Reiseversicherungsrecht.
Rechtsprechung aus den Jahren 2005 und 2006 sowie aktuelle Entwicklungen, NJW 2007, 2301

Staudinger, Ansgar, Der Gerichtsstand des Erfüllungsortes bei der Luftbeförderung nach der Brüssel I-VO, RRa 2007, 155

Stenzel, Uta, Das US-amerikanische Reiserecht, RRa 2007, 146

Wittwer, Alexander, Die EuGH-Rechtsprechung zum Europäischen Zivilprozessrecht aus den Jahren 2005 und 2006, ZEuP 2007, 829
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5. Aufl. 2005 kennen, dann klicken Sie bitte
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