Reiserecht - Prof. Dr. Ernst Führich Newsletter Oktober 2015        31. 10. 2015 
- Der kostenlose, neutrale und kompetente Newsletter zum gesamten Recht im Tourismus - 
 
Ausgabe 10/2015  
 
Nummer 172  16. Jahrgang
Deutsche Bibliothek: ISSN 2190-863X        
 
Liebe Reiserechtlerinnen und Reiserechtler,
 
das Europäische Parlament hat am 27.10.2015 die neue Pauschalreise-Richtlinie verabschiedet. Die Abstimmung
bildet den Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens auf EU-Ebene. Die Mitgliedstaaten haben nun zwei Jahren Zeit
bis Ende 2017, die neuen Vorschriften in nationales Recht umzusetzen und weitere sechs Monate, um sie
wirksam werden zu lassen.
 
Sie fragen sich sicher, welche wichtigen Neuerungen kommen auf das deutsche Recht zu? Diese Frage
habe ich unter den News für Sie zusammengestellt.
 
Ich grüße Sie recht herzlich aus dem schönen Allgäu im noch goldenen Oktober.
 
Ihr
Prof. Dr. Ernst Führich
 
################## Inhalt des Newsletters ##########################
 
+ News
+ Reisevertragsrecht
+ Luftbeförderungsrecht und Fluggastrechte 
+ Beherbergungsrecht 
  • BFH , Urt. v. 15.07.2015 - II R 32/14 und II R 33/14 - Tourismusabgabe
+ Neue Literatur im Reiserecht
 
+ Reiserecht literarisch
 
 
################################ News ##############################
 
+++++ Wichtige Änderungen durch die neue Pauschalreise-Richtlinie +++++++
 
Das EU-Parlament hat am 27.10.2015 die finale Fassung der neuen EU-Pauschalreise-Richtlinie verabschiedet
(Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Pauschalreisen und verbundene Reisearrangements,
zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2006/2004 und der Richtlinie 2011/83/EU sowie zur Aufhebung der
Richtlinie 90/314/EWG). Die deutsche Fassung finden Sie im Internet auf meiner Website
www.reiserecht-fuehrich.de (Deutsche Fassung vom 4. 9. 2015). Ziele der Richtlinie sind die Schaffung eines
hohen Maßes an Wettbewerbsgleichheit zwischen allen Anbietern von Pauschalreisen im stationären Handel und im
Internet und ein gerechter Ausgleich zwischen Verbraucherschutz und den Interessen der Anbieter im digitalen Zeitalter.
 
Jetzt muss der Gesetzgeber in Berlin aktiv werden. Mit dem Beginn der Umsetzungsfrist haben die EU-Mitgliedsstaaten
24 Monate Zeit, die Richtlinie in nationales Recht zu übertragen – also bis Ende 2017. Allerdings findet voraussichtlich
im Herbst 2017 die Bundestagswahl statt. Daher ist es nicht sicher, ob es gelingen wird, diese Frist zu einzuhalten.
Bis die Richtlinie auf nationaler Ebene von den Veranstaltern und Vermittlern angewendet werden muss, haben die
Mitgliedsstaaten allerdings eine noch weitere Frist von 6 Monaten.
 
1. Vollharmonisierung
 
Der Spielraum für Berlin bei der Umsetzung in das nationale Recht der §§ 651a ff. BGB ist gering. Die neue Richtlinie
ist sehr detailliert und harmonisiert vollständig das neue Recht (Art. 4). Führich: „Der deutsche Gesetzgeber darf
nicht mehr und nicht weniger Verbraucherschutz einführen und muss überschießenden, bisher für den Reisenden oft
besseren, Schutz abbauen und zurückführen auf den neuen, in manchen Fällen geringeren Schutzstandard der Richtlinie“.
Die Richtlinie lässt den Mitgliedstaaten nur wenige Ausnahmen von dem Prinzip der Vollharmonisierung zu wie die
Aufrechterhaltung der analogen Anwendung des Pauschalreiserechts auf die Einzelleistung einer Ferienunterkunft
eines Reiseveranstalters oder ein 14-tägiges Widerrufsrecht im Fernabsatz bei Online-Buchungen.
 
2. Pauschalreise
 
Die neuen Vorschriften für Pauschalreisen beziehen sich auf zwei Arten von Verträgen: Auf Paketangebote
(vom Veranstalter vorab oder nach den Vorgaben des Kunden zusammengestellt). Damit fällt auch das Paket aus
mindestens zwei wesentlichen Reiseleistungen gebündelt durch ein Reisebüro als eigene Pauschalreise unter den
Begriff der Pauschalreise. Eine touristische Leistung ist dann wesentlich, wenn sie mindestens 25 % des Werts der
Kombination ausmacht.
 
Auch die sog. "verbundene Reiseleistung", bei denen ein Kunde, der beispielsweise einen Flug gebucht hat,
gezielt über einen Internet-Link zu zusätzlichen Reiseleistungen geführt wird, ist eine Pauschalreise. Diese
"Click-Through"-Buchungen, bei denen der Name des Reisenden, Zahlungsdaten und die E-Mail-Adresse von dem
Unternehmer, mit dem der erste Vertrag geschlossen wurde, an einen oder mehrere andere Unternehmer
übermittelt werden und ein Vertrag mit Letztgenanntem/n spätestens 24 Stunden nach Bestätigung der
Buchung der ersten Reiseleistung abgeschlossen wird, gelten als Pauschalreisen. Reiseveranstalter ist dann
der Unternehmer, mit dem der erste Vertrag geschlossen wurde, also meist die Airline.
 
Geschäftsreisende unterliegen grundsätzlich der Richtlinie außer es liegen Rahmenverträge zwischen
gewerblichen Kunden und Reisedienstleistern vor.
 
3. Reisevertrag
 
Bevor Urlauber durch ein Vertragsangebot gebunden sind, müssen die Reiseveranstalter und -vermittler sie klar
und deutlich darüber informieren, dass sie eine Pauschalreise erwerben, welche Rechte sie haben und wer
letztendlich die Verantwortung trägt. Die vorvertraglichen Informationen, der Vertragsschluss und der Inhalt des
Reisevertrages weichen nicht wesentlich vom bisherigen deutschen Recht ab, wurden aber erweitert. So sind
bei der Preisangabe neben dem Gesamtpreis die Steuern, zusätzliche Gebühren und sonstige Entgelte anzugeben
ähnlich der Regelung in Art. 23 EU-LuftverkehrsdiensteVO Nr. 1008/2008 (Art. 5 bis 8).
 
4. Änderungen des Reisevertrages vor der Reise
 
Insoweit ist keine wesentliche Änderung eingetreten. Allerdings berechtigen jetzt erst Preiserhöhungen ab 8 %,
statt wie bisher 5 %, des Reisepreises zum kostenfreien Rücktritt.
 
Die allgemeine wirtschaftsrechtliche Regelung des der 4-Monatsgrenze des § 309 Nr. 1 BGB wird in der Richtlinie
nicht erwähnt, sollte aber bei der Umsetzung wie bisher unberührt bleiben, d.h. eine Preiserhöhung im Zeitraum
von 4 Monaten zwischen Vertragsschluss und Reiseantritt ist in jedem Falle nach der auch für Pauschalreisen
geltenden Richtlinie über missbräuchliche Vertragsklauseln ausgeschlossen.
 
5. Beendigung des Reisevertrages
 
Insoweit ist im Wesentlichen die deutsche Regelung der Stornierung in § 651i BGB, zur Reiseabsage wegen
Nichterreichen einer Mindestteilnehmerzahl und wegen unvermeidbarer außergewöhnlicher Umstände
(dieser Begriff ersetzt den Begriff der höheren Gewalt) Inhalt der Richtlinie geworden. Im Gegensatz zum
bisherigen deutschen Recht in § 651j BGB trägt der Veranstalter - und nicht der Reisende -  die Mehrkosten
einer notwendigen Unterbringung bis zu drei Nächten. Die Mehrkosten einer Rückbeförderung werden nicht
mehr wie bisher geteilt zwischen Veranstalter und Reisenden, sondern diese muss alleine der Veranstalter tragen.
Dies ist für den Reisenden eine Verbesserung.
 
Art. 12 V überlässt einen Widerruf innerhalb von 14 Tagen für im Fernabsatz geschlossene Verträge den
Mitgliedstaaten. Insoweit ist bisher in § 312 II Nr. 4 BGB der Widerruf ausgeschlossen.
 
6. Haftung für die Reise
 
Die Haftungsregeln sind dem bisherigen deutschen Recht im BGB ähnlich. So hat der Reisende bei
Vertragspflichtverletzungen ein Recht auf Abhilfe, ein verschuldensunabhängiges Preisminderungsrecht
(das ist für die meisten anderen Mitgliedstaaten neu!). Das Schadensersatzrecht für materielle und
immaterielle Schäden bleibt im Wesentlichen gleich, während die Verjährung der Gewährleistungsansprüche
nicht weniger als 2 Jahre betragen darf. Die bisherige Möglichkeit der Verkürzung durch AGB auf ein Jahr
entfällt damit. Auch die deutsche Sonderregelung einer Ausschlussfrist zur Anmeldung von Ansprüchen
innerhalb eines Monats nach Reisende (§ 651g I BGB)  künftig wird nicht mehr möglich sein.
 
7. Verbundene Reiseleistungen und Insolvenzsicherung
 
Neu sind die sog. durch den Reisevermittler verbundenen Reiseleistungen, wenn der Vermittler mindestens
zwei verschiedene Reiseleistungen für dieselbe Reise durch  separate Verträge mit den Leistungsträgern
lediglich vermittelt. Diese verbundenen Reiseleistungen sind keine Pauschalreise, jedoch bestehen besondere
Informationspflichten und ein Insolvenzschutz. Daher muss der Vermittler den Reisenden aufklären, dass er
keine Pauschalreise bucht, sonst haftet er wie ein Reiseveranstalter. Zudem muss der Reisevermittler durch
seine Bücher als eigene Gelder laufende Zahlungen des Reisenden gegen seine Insolvenz absichern.
 
8. Insolvenzsicherung des Reiseveranstalters
 
Die Richtlinie sieht die gegenseitige Anerkennung des in jedem Mitgliedstaat geltenden Insolvenzschutzmodells
vor. Wie der Insolvenzschutz ausgestaltet ist, bleibt wie bisher dem Mitgliedstaat überlassen. Neu ist auch die
ausdrückliche Einbeziehung von Reiseveranstaltern aus Nicht-Mitgliedstaaten, die in einem EU-Staat
Pauschalreisen anbieten. Diese Veranstalter müssen nach dem Recht des Mitgliedstaates Sicherheit leisten,
in dem sie auf dem Markt anbieten (Art. 17).
 
 
+++ Bei Wechsel des Reisenden bei Pauschalreisen nur Verwaltungskosten ++
 
Nach § 651b BGB ist ein Wechsel des Reisenden bei Pauschalreisen zwingend nur unter den dort genannten
Voraussetzungen möglich. In einem Berufungsurteil des Landgerichts München I gegen den FTI-Veranstalter
Big Xtra bestätigt das Gericht, dass jeder Pauschalurlauber bis zum Reisebeginn vom Veranstalter „verlangen“
kann, dass statt seiner eine andere Person die gebuchte Reise antritt. Fallen dabei für den Veranstalter
„Mehrkosten“ an, darf er diese nicht an die beteiligten Urlauber weitergeben – auch nicht, wenn er sich das
in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) so vorbehalten hat. Solche Aufwendungen sind nur dann
umlegbar, wenn sie ihre Ursache in Verwaltungskosten haben. Höhere Flugpreise, welche im Rahmen eines
von den Airlines durchgeführten Ertragsmanagements anfallen, gehören zum „Kostenrisiko“ des
Reiseveranstalters und können nicht weitergegeben werden (LG München I - 30 S 25399/14).
 
Das Berufungsurteil ist nicht rechtskräftig, da die FTI-Gruppe in Revision gehen will. Der klägerische
Anwalt Holger Hopperdietzel, Wiesbaden gibt diesem Versuch allerdings wenig Chancen: Er hat
„keinen Zweifel daran“, dass das Urteil auch bei der Revision vor dem Bundesgerichtshof Bestand
haben wird. Führich: „Umlegbar sind lediglich die Kosten der Übertragung des Reisevertrages selbst,
nicht die Kosten des Yield Managements (Führich, ReiseR, § 6 Rn. 14 m. w. Nachw.).
 
mehr: 
 
 
################### Reisevertragsrecht ########################
 
Der Zauber des Nordens / PAngV § 1 Abs. 1 Satz 1 /RL 2005/29/EG Art. 7 / RL 2006/123/EG Art. 22
 
1. Auf Preisangaben für Dienstleistungen sind die Vorschriften über die Informati- onspflichten in Art. 7 der
Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken und in Art. 22 der Richtlinie 2006/123/EG
über Dienstleistungen im Binnenmarkt nebeneinander anwendbar.
2. Ein Service-Entgelt, das bei einer Kreuzfahrt für jede beanstandungsfrei an Bord verbrachte Nacht
zu zahlen ist, ist Teil des nach § 1 Abs. 1 Satz 1 PAngV in Verbindung mit Art. 7 Abs. 4 Buchst. c der
Richtlinie 2005/29/EG anzugebenden Gesamtpreises.
 
BGH, Urt. v. 7. Mai 2015 - I ZR 158/14 - Der Zauber des Nordens, BeckRS 2015, 17167
 
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Reisemangel / Erkrankung / Minderung
 
1. Gemäß § 651d I BGB mindert sich für die Dauer des Mangels der Reisepreis nach Maßgabe des § 638 III BGB,
wenn ein Reisemangel im Sinne des § 651c I BGB vorliegt. Ein Reisemangel liegt vor, wenn die Reise mit
Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Vertrag
vorausgesetzten Nutzen aufheben oder mindern. Dies setzt voraus, dass der tauglichkeitsmindernde
Fehler aus dem Gefahrenbereich des Reiseveranstalters stammt.
Es muss sich nicht notwendigerweise ein vom Veranstalter beeinflussbares Risiko realisieren.
Auch vom Reiseveranstalter nicht beeinflussbare Risiken können einen Reisemangel begründen,
sofern sie nicht zum allgemeinen Lebensrisiko zählen. Es ist anerkannt, dass selbst Beeinträchtigungen
aufgrund höherer Gewalt einen Reisemangel begründen können, soweit sie sich auf die geschuldete Leistung
unmittelbar auswirken.
2. Eine durch einen Defekt der örtlichen Kläranlage ausgelöste Magen-Darm-Erkrankung begründet einen Reisemangel.
 
LG Köln, Urt. v. 24.08.2015 – 2 O 56/15, BeckRS 2015, 16663
 
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Reisemangel / Kreuzfahrtreise / Flugunterbrechung wegen technischen Defekts /
Zustieg auf dem Schiff in einem anderen Hafen
 
1. Bei einer Kreuzfahrt ist für die Bemessung eines Anspruchs auf Minderungen eine
Gesamtbetrachtung der Reise erforderlich.
2. Eine Kreuzfahrtreise weist regelmäßig eine bestimmte Prägung auf, die nicht lediglich durch
Fahrtroute und -dauer sowie die Ausstattung des Kreuzfahrt-schiffes bestimmt wird, sondern
wesentlich auch durch die touristischen Schwerpunkte, die sich aus den verschiedenen angelaufenen
Häfen und den dort angebotenen Landgängen und Besichtigungen sowie gegebenenfalls besonders
reizvolle Meeres- und Küstenpassagen ergeben, die auf komfortable Weise und unter kundiger
Führung zu sehen und zu erfahren, die Kreuzfahrt dem Teilnehmer möglich machen soll.
Einzelne Teile des Reiseprogramms können dabei unterschiedliches Gewicht gewinnen.
3. Daher ist bei der Berechnung der Minderung grundsätzlich an den Gesamt-Reisepreis anzuknüpfen.
 
AG Rostock, Urt. v. 28.01.2015 – 47 C 181/14
 
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Reisemangel / Reisevertrag / Fluss-Kreuzfahrt / Nichtanlaufen eines Hafens / Minderung
 
Die Änderung der Reiseroute ist eine negative Abweichung der Soll- von der Ist-Beschaffenheit der Reise
und somit grundsätzlich ein Mangel im vorstehenden Sinne dar, es sei denn dass dies auf nicht
vorhersehbaren Hoch- oder Niedrigwasser zurückzuführen gewesen ist.
 
AG Rostock, Urt. v. 27.03.2015 – 47 C 415/14 (nicht rechtskäftig)
 
Anm.: Der Entscheidung kann nicht gefolgt werden. Reisemängel liegen auch dann vor, wenn diese
Beeinträchtigungen nicht vom Veranstalter oder der Reederei beeinflussbar sind.
Dies ist ganz herrschende Meinung für die verschuldensunabhängige Preisminderung (Führich, ReiseR,
7. Aufl. § 9 Rn. 102 m.w.Nachw.)
 
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Reisevertrag / Fluss-Kreuzfahrt / Reisemangel / Beeinträchtigungen durch
Quarantäne-Maßnahmen
 
1. Grundlos verhängte Quarantänemaßnahmen stellen aufgrund der damit verbundenen erheblichen
Einschränkungen einen Mangel der in § 651c Abs. 1 BGB dar.
2. Ein Minderungsanspruch ist jedoch ausgeschlossen, wenn der Reisende es schuldhaft unterlässt,
den Mangel anzuzeigen (Hinweis der Nichterkrankung).
3. Die Verhängung von Quarantänemaßnahmen, die zum Inhalt haben, dass Passagiere ihre Kabine über
mehrere Tage nicht verlassen dürfen, können eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise darstellen,
wenn die Quarantänemaßnahme ohne tatsächliche Grundlage angeordnet wurde.
 
AG Rostock, Urt. v. 24.06.2015 – 47 C 31/14 (nicht rechtskräftig)
 
 
########## Luftbeförderungsrecht und Fluggastrechte ##################
 
Fluggastrechte / BGH / Vorlageentscheidung
 
Frage an den EuGH zur internationalen Zuständigkeit bei Umsteigeflughafen in Deutschland unter
Beteiligung einer anderen Luftfahrtgesellschaft als Erfüllungsgehilfin
 
Dem Gerichtshof der Europäischen Union werden gemäß Art. 267 AEUV folgende Fragen
zur Auslegung des Unionsrechts vorgelegt:
 
1. Ist  Art. 5 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die
gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und
Handelssachen dahin auszulegen, dass der Begriff "Ansprüche aus einem Vertrag" auch einen
Anspruch auf Ausgleichszahlung nach Art. 7 der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und
Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer
Verspätung von Flügen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 296/91 erfasst, der gegenüber
einem ausführenden Luftfahrtunternehmen verfolgt wird, welches nicht Vertragspartner des betroffenen
Fluggasts ist? (amtlicher Leitsatz)
 
2. Soweit Art. 5 Anwendung findet:
Ist bei einer Personenbeförderung auf einer aus mehreren Flügen bestehenden Flugverbindung ohne
nennenswerten Aufenthalt auf den Umsteigeflughäfen der Abflugort der ersten Teilstrecke als
Erfüllungsort gemäß Art. 5 Nr.
1 Buchst. b zweiter Spiegelstrich VO (EG) Nr. 44/2001 anzusehen, auch wenn die Flugverbindung von
unterschiedlichen Luftfahrtunternehmen durchgeführt worden ist und sich die Klage gegen das ausführende
Luftfahrtunternehmen einer anderen Teilstrecke richtet, auf der es zu einer großen Verspätung
gekommen ist? (amtlicher Leitsatz)
 
BGH, Beschl. v. 18.08.2015 – X ZR 2/15
 
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Fluggastrechte / Reiseveranstalter / Ausgleichszahlung
 
Wenn ein Reiseveranstalter falsche Angaben zu einem Flug übermittelt und der Kunde diesen deshalb
verpasst, muss die Fluggesellschaft keine Entschädigung zahlen. Es ist nicht die Aufgabe einer Airline,
Flugbestätigungen zu kontrollieren.
 
AG Berlin Charlottenburg, Urt. v. 27.1.2015 – 206/297/14, RRa 2015, 198
 
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Verordnung (EG) Nr. 261/2004 / Tod eines Fluggastes
 
1. Die Erkrankung eines Passagiers während des Boardings und dessen Tod an Bord des Flugzeugs
stellt einen außergewöhnlichen Umstand i.S.d. Art. 5 Abs. 3 VO dar.
2. Kann die Crew aufgrund der Verspätung dieses Fluges wegen Überschreitung der maximalen
Flugdienstzeiten nicht weiterfliegen, ist das Luftfahrtunternehmen nicht dazu verpflichtet, als zumutbare
Maßnahme vor Ort eine Ersatz-Crew vorzuhalten. Dies gilt insbesondere für Flughafen im Ausland, die
nicht Heimatflughäfen des Luftfahrtunternehmens sind.
 
AG Düsseldorf, Urt. v. 27.8.2015 – 40 C 287/15

 
################# Beherbergungsrecht ##########################
 
Bremer Tourismusabgabe / Hamburger Kultur- und Tourismustaxe
 
Sowohl das Bremische Gesetz über die Erhebung einer Tourismusabgabe als auch das
Hamburgische Kultur- und Tourismustaxengesetz sind verfassungsgemäß.
 
BFH , Urt. v. 15.07.2015 - II R 32/14 und II R 33/14
 
 
######################## Wettbewerbsrecht ################
 
1. Zwischen dem Betreiber eines Hotels und dem Anbieter eines Online-Reisebüros, das mit
einem Hotelbewertungsportal verknüpft ist, besteht im Hinblick auf den Betrieb des Hotelbewertungsportals
ein konkretes Wettbewerbsverhältnis iSd § 2 I Nr. 3 UWG. Zwischen der vorteilhaften Wirkung des
Hotelbewertungsportals für die Attraktivität des Online-Reisebüros und dem Absatznachteil, der einem
Hotelbetreiber aus einer im Bewertungsportal verzeichneten negativen Hotelbewertung zu erwachsen droht,
besteht eine für die Annahme eines konkreten Wettbewerbsverhältnisses hinreichende Wechselwirkung in
dem Sinne, dass der Wettbewerb des Online-Reisebüros gefördert und derjenige des Hotelbetreibers
beeinträchtigt werden kann.
2. Der Betreiber eines Hotelbewertungsportals macht sich erkennbar von Dritten in das Portal eingestellte
Äußerungen nicht iSd § 4 Nr. 8 UWG als Tatsachenbehauptung zu eigen, wenn er die Äußerungen nicht
inhaltlich-redaktionell aufbereitet oder ihren Wahrheitsgehalt überprüft, sondern die Anwendung eines
automatischen Wortfilters sowie gegebenenfalls eine anschließende manuelle Durchsicht lediglich dem
Zweck dienen, gegen die Nutzungsbedingungen verstoßende Einträge (etwa Formalbeleidigungen oder von
Hotelbetreibern abgegebene Eigenbewertungen) von der Veröffentlichung auszuschließen. Eine
inhaltlich-redaktionelle Bearbeitung stellt es mangels inhaltlicher Einflussnahme nicht dar, wenn die von
Nutzern vergebenen „Noten“ durch die Angabe von Durchschnittswerten oder einer „Weiterempfehlungsrate“
statistisch ausgewertet werden.
 
BGH, Urt. v. 19.03.2015 - I ZR 94/13, VuR 2015, 240; Zipse, BB 2015, 2443;
BeckRS 2015, 10895; Stenzel, GRUR-Prax 2015, 443; DB 2015, 2262
 
 
################# Neue Literatur im Reiserecht ##################
 
Bergmann, Stephanie, Rechtsprechungsübersicht zum Reiserecht 2014 bis 2015, VuR 2015, 323
 
Hofmann, Henning / Scheu, Rebeca-Sophia, Fluggastrechte auf dem Prüfstand, VuR 2015, 369
 
Pietsch, Boris, Von Stürmen, Unruhen und atomaren Katastrophen, DAR 2015, 551
 
Staudinger, Ansgar / Kristina Röben, Die Entwicklung des Reiserechts im ersten Halbjahr 2015, NJW 2015, 2851 
 
Tamm, Marina, Buchbesprechung von Führich, Reiserecht, 7. Auflage 2015, in: RRa 2015, 208
 
 
###################### Reiserecht literarisch #####################
 
„Muss man überall gewesen sein?
 
Pierre Bayard, in: Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist
               
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Deutsche Bibliothek: ISSN 2190-863X
 
 
Prof. Dr. Ernst Führich
87435 Kempten (Allgäu)

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