<%@LANGUAGE="JAVASCRIPT" CODEPAGE="65001"%> Newsletter Reiserecht Juli 2014

Reiserecht - Prof. Dr. Ernst Führich Newsletter Juli 2014        28. 7. 2014

Ausgabe 6/2014
Nummer 160
15. Jahrgang
Deutsche Bibliothek: ISSN 2190-863X

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Liebe Reiserechtlerinnen und Reiserechtler,

wegen der Umstellung meines Newsletter-Programms erscheint vorübergehend
mein Newsletter nur alle zwei Monate! Bitte melden Sie sich neu auf meiner Website
www.reiserecht-fuehrich.de an, da ich leider nicht mehr auf alle alten Bestelladressen
zugreifen kann.

Zum 13. 6. 2014 traten die neuen Vorschriften des BGB zur Umsetzung der EU-
Verbraucherrechte-Richtlinie in §§ 312 ff BGB in Kraft. Da bei touristischen Dienst-
leistungen das 14-tägige Widerrufsrecht gesetzlich ausgeschlossen ist und der
Bestellbutton "zahlungspflichtig bestellen" bereits seit 1.8.2012 auch für die Touristik
Gesetz ist, hat sich im Tourismus durch die Gesetzesnovelle nichts Wesentliches geändert.
Vorbelegungen von Versicherungen oder Mietwagen bei Flugbuchungen, sind bisher
schon nicht erlaubt oder es muss eine kostenfreie Zahlungsart angeboten werden.

Eines muss aber deutlich gesagt werden: Durch die Übernahme der Formulierungen
der EU-Richtlinie und die Einfügung vieler Tochter-Paragrafen sind die Regelungen
des Verbraucherschutzes für die Praxis viel zu unübersichtlich.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und eine schöne Sommerzeit und
verbleibe mit freundlichen Grüßen als

Ihr
Prof. Dr. Ernst Führich

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Inhalt des Newsletters

+ News
- 12. Auflage: Führich, Wirtschaftsprivatrecht
- Was wirklich hinter den Hotelsternen steckt
- Facebook: Gruppe Reiserecht

+ Reisevertragsrecht
- OLG Frankfurt a.M., Beschl. v. 25.11.2013 - Sicherungsschein
- LG Düsseldorf, Urt. v. 5.2.2014 - Dynamic Packaging
- LG Frankfurt a.M., Urt. v. 28.3.2013 - Anzahlung
- AG Hannover, 04.04.2014 - Änderung der Abflugzeit
- AG Frankfurt a.M., Urt. v. 30.10.2013 - Strandlage

+ Luftbeförderungsrecht
- OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 16.4.2014 - Allergie durch Saunatuch
- OLG Brandenburg, Beschl. v. 9.9.2013 - Flugkosten des RA
- LG Berlin, Urt. v. 6.2.2014 - Fälligkeit des vollen Flugpreises
- AG München, Urt. v. 27.2.14 - Schnorren in der Business-Lounge

+ Fluggastrechte
- BGH, Urt. v. 12.06.2014 – X ZR 104/13 - Keine Ausgleichszahlung
  bei Generalstreik und Radarausfall

- LG Darmstadt, Urt. v. 16.4.2014 - Verdeckter Herstellerfehler

+ Wettbewerbsrecht
- BGH, Urt. v. 9.10.2013 - Ballonfahrt
- OLG Stuttgart, Urt. v. 11.09.2013 - „Hühnerstall“ als Hotelkritik

+ Reiserücktrittskostenversicherung
- AG München, Urt. v. 30.10.2013 - Erkrankung nach Online-Check-in

+ Beherbergungsvertrag
- LG Cottbus, Urt. v. 25.9.2013 - Verunreinigte Matraze

+ Neue Literatur im Reiserecht

+ Reiserecht kurios

################# News ###########################################

Neuauflage: Führich, Wirtschaftsprivatrecht - Bürgerliches Recht, Handelsrecht,
Gesellschaftrecht

12. Auflage, 2014, Verlag C.H.Beck / Vahlen, 500 S., 31,90 €
ISBN 978-3-8006-4782-8

- Der Standardtitel für Wirtschaftsprivatrecht
- Verständlich, Didaktisch vorbildlich, aktuell, praxisnah
- Effiziente Prüfungsvorbereitung
und für Praktiker

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Was wirklich hinter den Hotelsternen steckt: Sonne, Murks und Sterne
Die Welt, 22.06.2014 mehr...

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Facebook: Gruppe Reiserecht
Werden Sie Mitglied in der geschlossenen Gruppe Reiserecht bei Facebook!
Sie können in dem Forum ihre Erfahrungen mit über 2500 Mitgliedern austauschen.
Dort werden Nachrichten
und neue Urteile gepostet und kommentiert. Diskutieren Sie dort aktuelle
reiserechtliche Probleme! Mitglieder können Juristen, Touristiker und Verbraucher
werden. Ihren Aufnahmeantrag können Sie hier stellen:
https://www.facebook.com/#!/groups/reiserecht/



################# Reisevertragsrecht ############################

Werbung für Pauschalreise / Reisepreissicherungsschein / Irreführung

Wird in der Werbung für eine Pauschalreise die Übersendung des Reisepreis-
sicherungsscheins zusammen mit der Reisebestätigung als Besonderheit hervorgehoben,
liegt darin eine irreführende Werbung mit Selbstverständlichkeiten, weil dem
angesprochenen Verkehr nicht geläufig ist, dass die Übersendung eines
Reisepreissicherungsscheins gesetzlich vorgeschrieben ist (Abgrenzung zu
BGH, Urt. v. 20.2.2013 – I ZR 146/12). [Amtlicher Leitsatz]

OLG Frankfurt a.M., Beschl. v. 25.11.2013 – 6 U 154/13, RRa 2014, 124

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Dynamic Packaging / AGB / Stornopauschalen

Die Klausel „Die pauschalierten Rücktrittskosten betragen: Bis zum 15. Tag vor
Reisebeginn 40% des Reisepreises, 14. Tag bis 8. Tag vor Reisebeginn 60%
des Reisepreises, ab 7. Tag vor Reisebeginn 70% des Reisepreises, am
Tag des Reiseantritts oder bei Nichtantritt der Reise 90% des Reisepreises.“
verstößt gegen § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB i.V.m. § 651i Abs. 3 BGB und ist daher
unwirksam.

LG Düsseldorf, Urt. v. 5.2.2014 – 12 O 361/12, RRa 2014, 126

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AGB / Anzahlung / Zeitpunkt der Restzahlung / Stornopauschalen

1. Eine Klausel über die Höhe einer Anzahlung von 25% beziehungsweise 30%
des Reisepreises benachteiligt den Verbraucher unangemessen i.S.v. § 307 BGB.

2. Eine Klausel, die eine Fälligkeit der Restzahlung 40 Tage vor Reiseantritt festlegt,
verstößt gegen § 320 BGB und ist
unwirksam.

LG Frankfurt a.M., Urt. v. 28.3.2013 – 2-24 O 196/12, RRa 2014, 128

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Änderung der Abflugzeit und Abflughafen / Nutzlos aufgewendete Urlaubszeit

1. Eine Leistungsänderung ist unzulässig und damit für den Reisenden
unzumutbar i.S.d. § 651a V BGB, wenn sie die Reise erheblich beeinträchtigt
und dann einen Reisemangel begründen würde.

2. Unzumutbar ist eine Leistungsänderung für einen Reisenden nicht nur,
wenn der Abflughafen ausgetauscht wird, auch wenn der neue Abgangsflughafen
näher an seinem Wohnort liegt, sondern auch die in den späten Abend verlegte
Abflugzeit, die eine Ankunft in der Nacht am nächsten Tag und eine Störung
der Nachtruhe bedeutet.

AG Hannover, 04.04.2014 – 427 C 12639

Aus den Gründen:

Überschreitet der Reiseveranstalter seine ihm vom Gesetz (§ 651a V BGB)
eingeräumten Möglichkeiten der Vertragsänderung durch eine unberechtigte
Leistungsänderung, berechtigt dies nicht nur wie geschehen zum Rücktritt von
der Reise, sondern stellt auch eine schuldhafte Verletzung des Reisevertrages
gemäß § 651 f BGB dar (Führich, Reiserecht [6. Aufl.], Rn. 180). Unzulässig ist
eine Leistungsänderung, wenn sie die Reise erheblich beeinträchtigt
und dann einen Reisemangel begründen würde.

Gebucht hatten die Kläger eine 8-tägige Pauschalreise mit einem Abflug in
Berlin-Tegel um 14:55 Uhr. Stattdessen wollte die Beklagte einen Flug ab
Dresden um 22:45 Uhr mit Ankunft um 02:45 Uhr am nächsten Tag in Antalya leisten.

Unzumutbar ist nicht nur, den Abflughafen auszutauschen, auch wenn die Kläger
in der Nähe wohnen, da sie sich eben den anderen Flughafen ausgesucht hatten,
sondern vor allem die in den späten Abend verlegte Abflugzeit, die eine Ankunft
in der Nacht am nächsten Tag und eine Störung der Nachtruhe bedeutete.

Die Kläger waren daher am 17.09.2012 zum Rücktritt berechtigt. Ob sich auf
erneute Vertragsangebote der Beklagten eingehen mussten, kann dahinstehen.
Denn selbst, wenn dies zutreffen sollte, wollte die Beklagte den Klägern ja nur
einen Air-Berlin Flug gegen Aufpreis von 57,- € anbieten und nur "ggf." diese
selbst tragen, d.h. wohl wenn die Kläger sich dagegen zur Wehr setzten.
Auf solche Verhandlungen mussten sich die Kläger nicht einlassen, nachdem
sie mit der Beklagten an sich einen Vertrag zu einem bestimmten Preis mit
einem Abflug in Berlin um 14:55 Uhr geschlossen hatten.

Der Höhe nach kann der Frustrationsschaden bei einer vereitelten Reise, d.h.
einer Reise, die nicht angetreten werden kann, nach entsprechenden Stufen
von Stornoklauseln oder mit der Hälfte des Reisepreises entschädigt werden
(Führich, Reiserecht, Rn. 420). Hier vom 14. bis 7. Tage vor Reisebeginn
damit ebenfalls 50 % des Reisepreises (vgl. Führich, a.a.O., Rn. 522).

Bei Vereitelung einer Reise ist von einer so schwerwiegenden Beeinträchtigung
des vertraglich geschuldeten Leistungserfolges auszugehen, dass eine
Entschädigung dafür 'geboten ist, dass der Kunde seine Urlaubszeit nicht
so verbringen konnte wie vom Veranstalter geschuldet. Weiterarbeit oder
Ersatzurlaub beeinträchtigen den Entschädigungsanspruch nicht, ein zuhause
verbrachter Urlaub stellt keinen Schadensminderungsposten dar, da die
Freizeit nicht Gegenstand der vom Reiseveranstalter geschuldeten Leistung ist
(BGH, 11.01.2005, BGHZ 161, 389, 400).

Die Kläger sind nicht gemäß § 651 g BGB mit, der Geltendmachung von
Ansprüchen ausgeschlossen. Unabhängig von der Frage, wann das
„undatierte Schreiben" abgefasst und vor allem bei der Beklagten eingegangen
ist, über die beide Seiten sich nicht äußern, ist die Frist jedenfalls nicht schuldhaft
versäumt. Fehlt es an einer ordnungsgemäßen Belehrung nach § 6 Abs. 2 Nr. 8
BGB-InfoV, wird die Entschuldigung vermutet. Danach ist der Reisende über die
nach § 651 g BGB einzuhaltenden Fristen zu belehren. Dies ist hier soweit
vorgetragen und ersichtlich nicht geschehen. Die Darlegungslast für eine
Belehrung trägt die Beklagte (Führich, a.a.O., Rn. 482; AG Hannover, RRa 2009, 80).

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Reisevertrag / Hoteländerung / Strandlage /
Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit

Dem Reisenden, dem als Ersatz für ein gebuchtes Hotel in unmittelbarer Strandlage
ein solches in anderer Lage angeboten wird, ist es nicht zumutbar, auf dieses
Angebot einzugehen, auch wenn ihm zusätzlich eine luxuriösere Unterbringung angeboten
wird.

AG Frankfurt a.M., Urt. v. 30.10.2013 - 29 1527/13, NJW-RR 2014, 749

###################### Luftbeförderungsrecht ####################

Flug / Allergie / Schadensersatz / Saunatuch

Schadenersatz eines Fluggastes wegen allergischer Reaktion auf Ausdünstungen
sog. "Saunatücher" während des Fluges.

OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 16.4.2014 - 16 U 170/13, NJW 2014, 824

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Kostenerstattung / Flugkosten / Prozessbevollmächtigter

1. Flugreisekosten des Prozessbevollmächtigten zum Termin sind nicht schlechthin
unter dem Gesichtspunkt der Zeitersparnis erstattungsfähig, sondern nur dann,
wenn die dadurch verursachten Mehrkosten nicht außer Verhältnis zu den Kosten
einer Bahnfahrt 1. Klasse stehen. Über die fiktiven Kosten einer Bahnanreise
hinausgehende Mehrkosten, die durch die Buchung eines Flugs in der
Business-Class gegenüber einem Tarif der Economy-Class entstanden sind,
sind grundsätzlich unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt erstattungsfähig
(im Anschluss an OLG Köln, RPfleger 2010, 549 = BeckRS 2010, 13534;
OLG Frankfurt, MDR 2008, 1005 = BeckRS 2008, 07127;
OLG Düsseldorf, NJW-RR 2009, 1422; OLG Stuttgart, RPfleger 2010, 548 =
BeckRS 2010, 10799; OLG Hamburg, AGS 2011, 463 = BeckRS 2011, 00392).

2. Bei der Prüfung der Angemessenheit der tatsächlich entstandenen Reisekosten
sind allein die fiktiven Kosten bei einer Anreise mit der Bahn in der 1. Klasse maßgeblich.
Bis zu dieser Höhe sind die dem Prozessbevollmächtigten entstandenen Kosten
in jedem Fall zu erstatten, selbst wenn bei Buchung eines Tarifes der Economy-Class
fiktive Kosten in geringerer Höhe entstanden wären.

OLG Brandenburg, Beschl. v. 9.9.2013 - 6 W 77/13, NJW-RR 2014,828 =
BeckRS 2013, 19270 = MDR 2014, 118

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AGB / Fälligkeit des vollen Flugpreises / Vorleistungspflicht

Die Klausel „Die Zahlung ist bei Buchung fällig“ im Rahmen von Flugbeförderungen
verstößt gegen §§ 307 Abs. 1, 2 Nr. 1 i.V.m. §§ 641 Abs. 1, 646 BGB.

LG Berlin, Urt. v. 6.2.2014 – 52 O 175/13, RRa 2014, 140

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Luftbeförderungsvertrag / Vertragswidriges Verhalten / Business Lounge

Wer wiederholt ohne Reiseabsichten die Business Lounge besucht, verhält sich
vertragswidrig und ist zum Schadensersatz verpflichtet.


AG München, Urt. v. 27.2.14 - 213 C 31293/13

################### Fluggastrechte ###########################

BGH: Keine Ausgleichszahlung bei Generalstreik und Radarausfall

Der Bundesgerichtshof hatte erneut in zwei Fällen über Ausgleichszahlungen
in Höhe von jeweils 500 € wegen verspäteter Flüge nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. a)
der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 zu entscheiden.

Die Kläger des ersten Falls buchten bei der Beklagten Hin- und Rückflüge von
Frankfurt am Main nach Mahón (Menorca). Der Hinflug startete verspätet und
landete nicht wie vorgesehen um 21.55 Uhr, sondern erst nach 1:00 Uhr.
Auch der Rückflug eine Woche später kam mit einer Verspätung von mehr
als drei Stunden in Frankfurt an. Die Verspätung des Hinflugs war auf einen
Generalstreik in Griechenland zurückzuführen, von dem das eingesetzte
Flugzeug beim vorherigen Umlauf betroffen war. Die Verspätung des Rückflugs
beruhte auf einem Radarausfall, ebenfalls im griechischen Luftraum, der
wiederum die Ankunft des für den Rückflug eingesetzten Flugzeugs in Mahón
verzögert hatte.

Im zweiten Fall buchten die Kläger einen Flug von Stuttgart nach Palma de
Mallorca, dessen Abflug und Ankunft sich wegen eines an diesem Tag
stattfindenden Generalstreiks in Griechenland, der zu einer zeitweisen
Sperrung des griechischen Luftraums führte und die vorangegangenen
Flüge des eingesetzten Flugzeugs nach und von Griechenland betraf,
um mehr als drei Stunden verspätete.

Die Erstgerichte haben die Klagen abgewiesen, die Berufungen der
Kläger sind erfolglos geblieben. Die Berufungsgerichte haben angenommen,
die Verspätung der Flüge beruhe auf außergewöhnlichen Umständen im
Sinne von Art. 5 Abs. 3 VO, die sich auch durch zumutbare Maßnahmen der
Beklagten nicht hätten vermeiden lassen. Mit den von den Berufungsgerichten
zugelassenen Revisionen haben die Kläger ihre Ansprüche weiterverfolgt.

Der für das Reise- und Personenbeförderungsrecht zuständige X. Zivilsenat
hat entschieden, dass ein Generalstreik sowie der im Vorfeld eines Flugs
aufgetretene Radarausfall außergewöhnliche Umstände im Sinne des Art. 5
Abs. 3 VO begründen
. Streik und Radarausfall wirken von außen auf den
Flugbetrieb und die gesamte Tätigkeit des Luftfahrtunternehmens ein und
können von diesem nicht beherrscht werden. Die hierdurch verursachten
Beeinträchtigungen des Flugplans des beklagten Luftverkehrsunternehmens
(hier bei den Balearen-Flügen) beruhen damit insgesamt auf außergewöhnlichen
Umständen, auch soweit die unmittelbare Störung bei am selben Tag
vorausgegangenen anderen Flügen des eingesetzten Flugzeugs
(hier nach und aus Griechenland) aufgetreten ist. Die Beklagte hat nach den
Feststellungen des Berufungsgerichts versucht, ein Ersatzflugzeug zu chartern,
was nicht zuletzt wegen des aufgrund des Streiks erhöhten Bedarfs an
Ersatzflugzeugen nicht gelang. Sie hat damit eine ihr zumutbare Maßnahme
ergriffen, um die Verspätung zu vermeiden. Dass die Beklagte kein
Ersatzflugzeug vorgehalten hat, führt nicht zu einer abweichenden Beurteilung.

BGH, Urt. v. 12.06.2014 – X ZR 104/13;
Vorinstanzen: AG Hannover, Urt. v. 31.01.2013 – 533 C 4600/12 ;
LG Hannover Urt. v. 17.07. 2013 – 12 S 18/13

Urt. v. 12.06.2014 – X ZR 121/13;
Vorinstanzen: AG Hannover Urt. v. 17.12.2012 – 447 C 3825/12;
LG Hannover, Urt. v. 02.09.2013 – 1 S 3/13


Quelle: Pressemitteilung des BGH Nr. 094/2014 vom 13.06.2014

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004 / Ausgleichsanspruch / Außergewöhnlicher
Umstand / Verdeckter Herstellerfehler


1. Bei technischen Problemen geht es nicht um subjektive Vorwerfbarkeit oder
gar Vermeidbarkeit des Defekts, sondern allein darum, dass sich hier das
unternehmerische Risiko des Ausfalls eines „Arbeitsgeräts“ realisiert hat. In
einem solchen Fall kann sich die Fluggesellschaft jedoch nur dann auf
„außergewöhnliche Umstände“ i.S.d. Art. 5 Abs. 3 VO (EG) Nr. 261/2004
berufen, wenn dieser nicht im Rahmen der normalen Tätigkeit des Luftfahrtunternehmens
aufgetreten ist und von diesem auch nicht beherrschbar war.

2. Das Kriterium der Beherrschbarkeit bemisst sich insbesondere danach, ob der
betreffende Vorgang unmittelbar in den betrieblichen Ablauf der Fluggesellschaft fällt. An
ihr fehlt es, wenn der Fehler oder das Problem aus einer völlig anderen und deshalb
von dem Unternehmen selbst nicht beherrschbaren Sphäre stammt.

3. Ein versteckter Herstellerfehler kann nach der Rechtsprechung des EuGH nur dann
angenommen werden, wenn der Hersteller der Maschinen, aus denen die Flotte
des betroffenen Luftfahrtunternehmens besteht, oder eine zuständige Behörde entdeckt,
dass diese bereits in Betrieb genommenen Maschinen mit einem versteckten
Fabrikationsfehler behaftet sind, der die Flugsicherheit beeinträchtigt.

LG Darmstadt, Urt. v. 16.4.2014 – 7 S 161/13, RRa 2014, 137

########## Wettbewerbsrecht ################################

Ballonfahrt / Gutschein

Der Anbieter von Gutscheinen für "Erlebnisse" (hier: Ballonfahrt in den Alpen),
die innerhalb von drei Jahren vom Kunden oder einer von ihm beschenkten
Person bei Drittunternehmen (Erlebnispartnern) eingelöst werden können,
ist nicht gemäß § 5a III Nr. 2 Fall 2 UWG gehalten, bereits beim annahmefähigen
Angebot des Erlebnisses auf seiner Internetseite über Identität und Anschrift
des die Ballonfahrt durchführenden Unternehmens zu informieren.

BGH, Urt. v. 9.10.2013 - I ZR 24/12, NJW-RR 2014, 817 = GRUR 2014, 580
= MDR 2014, 793 = WPR 2014, 545

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Prüfungspflichten des Host-Providers / „Hühnerstall“ als zulässige Hotelkritik

1. Bezeichnung eines Hotels auf einer Internet-Bewertungsplattform als "Hühnerstall"
kann als satirisches Wortspiel und damit als zulässige Meinungsäußerung zu
verstehen sein, die keine Schmähkritik darstellt, sondern lediglich zur überspitzten
Zurschaustellung der im Weiteren geäußerten Kritik dient.

2. Der Host-Provider genügt seiner aus der Eröffnung eines Bewertungsportals
resultierenden Pflicht, Störungen zu vermeiden, wenn er eine Rüge dem sich
Äußernden zur Stellungnahme zuleiten und dieser seine nicht im Bereich der
Schmähkritik liegenden Meinungsäußerung aufrecht erhält

OLG Stuttgart, Urt. v. 11.09.2013 - 4 U 88/13, NJW 2014, 680

########## Reiserücktrittskostenversicherung ####################

Erkrankung nach Online-Check-in

Der Versicherungsschutz einer Reiserücktrittsversicherung endet nicht beim
Online-Check-in, da zu diesem Zeitpunkt die Reise noch nicht angetreten ist.

Hierzu muss der Reisende eine faktische Leistung wie die Aufgabe des
Gepäcks in Anspruch nehmen oder den Flugsteig passieren.


AG München, Urt. v. 30.10.2013 – 171 C 18960/13 (rkr.)

################### Beherbergungsvertrag #################

Ferienwohnung / Verunreinigte Matraze / Schadensersatz

1. Das nächtliche Einnässen eines vierjährigen Kindes in sein Bett stellt eine
unwillkürliche und somit vom Ferienwohnungsmieter nicht verschuldete
Verschlechterung der Mietsache im Rahmen des vertragsgemäßen Gebrauchs
dar.

2. Die in Miet-AGB enthaltene Regelung "Während der Mietzeit entstandene
Schäden oder Fehlbestände aus Inventar und Mobiliar sind durch den Mieter
ohne Verschuldensnachweis zum Selbstkostenpreis zu ersetzen" ist nach
§ 307 I, II Nr. 1 BGB unwirksam. [Leitsätze der NJW-RR-Readaktion]

LG Cottbus, Urt. v. 25.9.2013 – 5 S 42/13, NJW-RR 2014, 748 =
MDR 2014, 209

################### Neue Literatur ########################

Führich, Anmerkung NJW 2014, 1171 zu BGH, 10.12.2013, X ZR 24/13
- Vorbehalte bei der Festlegung von Flugzeiten in Reisebestätigung des
Veranstalters

Führich, Internationale gerichtliche Zuständigkeit bei Ferienunterkünften
im Ausland, RRa 2014, 106

Lorenz, Grundwissen - Zivilrecht: Der Reisevertrag (§§ 651a ff. BGB),
Juristische Schulung JuS 2014, 589

Mankowski, Rechtswahlklauseln in Luftbeförderungs-AGB auf dem
Prüfstand, RRa 2014, 118

Tonner, Anm. zu BGH, Urt. 10.12.2013: Vereinbarung über Abflugzeiten
bei Pauschalreisen, LMK 2014, 358379

################## Reiserecht kurios ############################

"Oben-ohne-Baden sollte verboten werden", beschwerte sich eine erboste
Ehefrau beim Veranstalter über ihren Urlaub. "Mein Mann hat den ganzen
Tag damit verbracht, anderen Frauen hinterherzugucken."

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