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Reiserecht - Hochschule Kempten Newsletter August 2012 17. 8. 2012
Ausgabe 8/2012 Nummer 140 12. Jahrgang

Der Newsletter des CCR Competenz Centrum Reiserecht an der Hochschule Kempten
Leitung: Prof. Dr. jur. Ernst Führich
Deutsche Bibliothek: ISSN 2190-863X

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Liebe Reiserechtler,

diesen Newsletter möchte ich dem vor wenigen Tagen in Berlin mit 81 Jahren verstorbenen
Rechtsanwalt und Notar a.D. Rochus Strangfeld widmen! Ich schreibe diesen Brief an Sie gerade
im ICE auf dem Weg zu seiner Trauerfeier.

Wie richtig formulierte es Rechtsanwalt Ruthard, Vorstandsmitglied der
Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in einem Beileidsmail: "Wenn er sich für etwas
wie das Reiserecht engagierte, ließ er nicht locker, was ihn zu einer der prägenden
Persönlichkeiten der DGfR machte. Er war nicht der, der im Rampenlicht stand, die Gesellschaft
hätte aber nicht das Gepräge, das sie heute auszeichnet, wenn er nicht im Hintergrund gewirkt
hätte." Sein Tod ist für viele, die sich dem Reiserecht verbunden fühlen, ein herber Verlust! Ich
habe Ihn als engagiertes Gründungsmitglied und als herzlichen Vorstandskollegen unserer
DGfR schätzen gelernt und bin dankbar Ihn über die langen Jahre als reiserechtlichen Ratgeber
und humorvollen Freund gekannt zu haben. Treffend ist in seiner Traueranzeige formuliert:
"Er liebte das Leben und seinen Beruf!"

Ich wünsche Ihnen aus dem schönen Allgäu warme Sommertage!

Ihr
Prof. Dr. Führich

########################### Aktuelles ################################

+++++++++++++++ 20. Reiserechtstag +++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Die DGfR veranstaltet am 28./29. September 2012 an der Universität Salzburg, Juristische
Fakultät, Churfürstenstr. 1, 5020 Salzburg den 20. Reiserechtstag.

Aus dem interessanten Tagungsprogramm:
- Gabriele Schuster, Richterin am BGH: Aktuelle Rechtsprechung des BGH zum Reiserecht
- Reiserecht im Rechtsvergleich: ein deutsch-österreichischer Dialog zwischen Prof. Dr. Ansgar
Staudinger, Universität Bielefeld und Prof. Dr. Stephan Keiler, Universität Salzburg

Weitere Informationen und Anmeldung unter
http://www.dgfr.de

+++++++++++ Vorläufige Flugzeiten grundsätzlich verbindlich +++++++++++++++++++++

Reiseveranstalter dürfen ihre in der Reisebestätigung ausdrücklich zu nennenden voraussichtliche
Zeiten der Abreise und Rückkehr nicht später kurz vor Beginn der Reise ohne sachlichen Grund
ändern (§ 6 II Nr. 2 BGB-InfoV). Das haben die Landgerichte Hannover (13.3.2012 - 18 O 79/11) und
Düsseldorf (4.7.2012 - 12 O 223/11, 12 O 224/11) in drei Verfahren gegen TUI, Schauinsland-Reisen und
Alltours entschieden. Vertragsklauseln wie „aktuelle Flugzeiten entnehmen Sie ihren Flugtickets“
oder „unverbindliche Flugzeiten, Änderungen vorbehalten“ oder keine Nennung von Flugzeiten
sind unzulässig. Sie seien irreführend und benachteiligten den Kunden in unangemessener Weise.
„Voraussichtliche Flugzeiten“ seien Teil des Reisevertrags und keineswegs unverbindlich. Damit
bestätigen diese Gerichte meine Rechtsauffassung (Führich, Reiserecht, Rn. 671).Die Urteile
sind noch nicht rechtskräftig. Klägerin war die Verbraucherzentrale Bundesverband Berlin (vzbv).
http://www.vzbv.de/10059.htm

+++++++++++ Reiserechts-Klausur im 2. Staatsexamen +++++++++++++++++++++++++

Verwundert rieben sich mal wieder die Examenskandidaten der 2. Juristischen Staatsprüfung
2012/1 in Bayern die Augen! Reiserecht im Staatsexamen, damit hatten sie nicht gerechnet.
Achtung: Das Reiserecht eignet sich als Querschnitt zwischen Schuldrecht, Deliktsrecht,
Internationalem Recht, EU-Recht und Verfahrensrecht fast ideal zum Abprüfen der Rechts-
kenntnisse!

++++++++++++++++++++++++ Presse ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

(20.07.2012) Handelsblatt: Wenn die Reise zum Horrortrip wird: So kommen Reisende zu ihrem Recht
http://www.handelsblatt.com/finanzen/recht-steuern/
anleger-und-verbraucherrecht/laerm-schmutz-ungeziefer-wenn-die-reise-zum-horrortrip-wird/6857656.html

######################### Reisevertrag ########################################

Sturz im nassen Poolbereich/Schenkelhalsfraktur/Verkehrssicherungspflicht/Mitverschulden/
Allgemeines Lebensrisiko

Die durch Wasser hervorgerufene Glätte und die dadurch bedingte Rutschigkeit des Bodenbelags
im Bereich eines Schwimmbeckens sind übliche Begleiterscheinung in Schwimmbädern, so dass
ein daraus resultierender Sturz weder einen Reisemangel darstellt, noch die Verletzung einer
Verkehrssicherungspflicht begründet. Vielmehr handelt es sich um die Verwirklichung des
allgemeinen Lebensrisikos.
OLG Düsseldorf, 15. 12.2011 – I-12 U 24/11
Fundstelle: RRa 2012, 112
http://www.reiserecht-fuehrich.de/Reiserechts-Urteile/9%20Reisemangel%20und%20Unannehmlichkeit.html

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Kündigung Reisevertrag/Höhere Gewalt/Naturkatastrophe/Beschädigung eines Atomkraftwerkes
Bei der Beschädigung eines Atomkraftwerks mit der Folge, dass die Strahlenbelastung für die Umwelt
derart steigt, dass Gesundheitsgefahren bestehen, beeinträchtigt und gefährdet die Reise erheblich,
sodass ein Fall der höheren Gewalt vorliegt.
AG Neukölln, 30. 11.2011 – 9 C 298/11
Fundstelle: RRa 2012, 116
http://www.reiserecht-fuehrich.de/Reiserechts-Urteile/8%20Kuendigung%20wegen%20hoeherer%20Gewalt.html

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Kreuzfahrtreise/Lärm/Motorengeräusche
1. Eine übermäßige Lärmbelästigung kann grundsätzlich einen Reisemangel darstellen. Diese muss
jedoch im Allgemeinen hingenommen werden, wenn sie das zumutbare und üblicherweise zu erwartende
Maß nicht übersteigt oder wenn – wie hier von der Beklagten dargelegt – im Reiseprospekt darauf
hingewiesen wird.
2. Unter dem Begriff der Motorengeräusche sind hier bei modernen Kreuzfahrtschiffen auch die für
die Versorgung und den Komfort der Passagiere erforderlichen Anlagen zu verstehen, soweit diese
mit Motoren betrieben werden. Hierunter fallen insbesondere auch Klima- und Lüftungsanlagen,
die erwartungsgemäß insbesondere bei einer Karibikkreuzfahrt, das heißt bei subtropischen
Temperaturen, möglicherweise rund um die Uhr laufen, um den Passagieren den gewünschten
Komfort zu bieten.
LG Rostock, 15. 11.2011 – 9 O 174/10
Fundstelle: RRa 2012, 137
http://www.reiserecht-fuehrich.de/Reiserechts-Urteile/9%20Reisemangel%20und%20Unannehmlichkeit.html

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Minderung/Änderung des Reiseverlaufs/Verspätung/Verpassen des Anschlusszuges
1. Die Verspätung eines (Hin-)Fluges berechtigt ab der fünften Verspätungsstunde einen Prozentsatz
von 5% des Tagesreisepreises je Stunde zur Minderung. Dabei ist jede angefangene Stunde mit zu
berücksichtigen.
2. Persönliche Vorstellungen des Reisenden über die Betreuung am Flughafen rechtfertigen alleine
keine Feststellung eines Mangels.
3. Die Verspätung eines Fluges um zwei Stunden stellt noch keinen Mangel, sondern lediglich eine
Unannehmlichkeit dar.
AG Rostock, 4.4.2012 - 47 C 299/11
Fundstelle: RRa 2012, 138
http://www.reiserecht-fuehrich.de/Reiserechts-Urteile/11%20Minderung.html

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Minderung/Nichtanlaufen eines Hafens
Der Charakter einer 14-tägigen Schiff-Nordeuropareise wird nicht dadurch entwertet, dass ein bestimmter
Hafen – hier: Reykjavik – nicht angelaufen wird, sofern die Route über mehrere Häfen in Norwegen
einschließlich des Nordkaps, über Island und über Schottland führt.
AG Rostock, 16. 3.2012 – 47 C 381/11
Fundstelle: RRa 2012, 140
http://www.reiserecht-fuehrich.de/Reiserechts-Urteile/11%20Minderung.html

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Preisanpassungsklausel
Eine Klausel, die eine Preisanpassungsmöglichkeit vorsieht, ohne dem Vertragspartner die
Möglichkeit zu geben, sich bei einer Anpassung vom Vertrag zu lösen, verstößt gegen § 307
Abs. 1 und Abs. 2 BGB.
LG München I, 22. 12.2011 – 12 O 22100/11
Fundstelle: RRa 2012, 142

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Allgemeine Geschäftsbedingungen/Vorleistungen bei der Buchung/Dynamic Packaging
1. Eine Klausel, die bei Abschluss eines Pauschalreisevertrages eine Anzahlung von 40 % des Reisepreises
vorsieht, stellt – auch unter Berücksichtigung des Geschäftsmodells des Dynamic Packaging – eine nicht
mehr nur geringfügige Anzahlung dar und ist unzulässig i. S. v. §§ 307 Abs. 2 Nr. 1, i.V.m. 320 BGB.
2. Eine Klausel, nach der ein Kunde 45 Tage vor Reiseantritt den vollen Reisepreis zahlen muss,
widerspricht dem Prinzip, nach dem ein gerechter Ausgleich zwischen den Interessen des Reiseveranstalters
und denjenigen des Reisenden unter Beachtung des Zug-um-Zug-Prinzips gefunden werden muss und ist
damit unzulässig i. S. v. §§ 307 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. 320 BGB.
LG Leipzig, 11. 11.2011 – 8 O 3545/10
Fundstelle: RRa 2012, 143

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Werbung mit Gütesiegel/Gütesiegel der Touristik
Der Verkehr erwartet, dass ein Gütesiegel nach einer sachgerechten Prüfung durch eine neutrale Instanz
verliehen wird. Als Prüfung in diesem Sinne kann bei Hotelbewertungen nur eine qualifizierte Beurteilung
nach einheitlichen Kriterien angesehen werden. Persönliche Meinungen von Reisenden genügen diesen
Anforderungen nicht.
LG Köln, 5. 1.2012 – 31 O 491/11
Fundstelle: RRa 2012, 149

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Mängelanzeige/Hotelkategorie/Ersatzhotel
1. Eine Hotelkategorie stellt als solche keine zugesicherte Eigenschaft dar, da die katalogmäßige
Einstufung einer Unterkunft auf subjektiven Erwägungen des einzelnen Veranstalters beruht, die
unabhängig vom objektiven Wert der Reise sein können.
2. Der Entfall einer Anzeigepflicht gemäß § 651d Abs. 2 BGB kommt nur in Ausnahmefällen in
Betracht, etwa wenn der Reiseveranstalter den Mangel kennt oder keine Abhilfe schaffen kann.
AG Hamburg, 31. 10.2011 – 4 C 254/09
Fundstelle: RRa 2012, 158 (LS)

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Minderung/Politische Unruhen/Ausfall Hauptreiseleistungen
Fallen die wesentlichen “Highlights” einer gebuchten Rundreise – hier: Aufenthalt von 3 Tagen in
Bangkok mit Besichtigungsmöglichkeit der Hauptstadt von Thailand sowie eine 8-tägige Rundreise
mit Besichtigung von Kulturstädten im Norden von Thailand – mehr oder weniger vollständig aus,
rechtfertigt dies einen Minderungsanspruch in Höhe von 2/3 des gezahlten Reisepreises.
AG Neuwied, 22. 6.2011 – 41 C 1227/10
Fundstelle: RRa 2012, 158 (LS)

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Minderung/Abweichender Zielflughafen bei Rückflug/Lärmbeeinträchtigung am Pool/Schimmel/
Wartezeit am Buffet/Verunreinigung des Swimmingpools/Öffnungszeiten einer Disco und Bar

1. Erfolgt die Landung des Rückflugs an einem anderen Ort – hier: in Paderborn statt in Leipzig –,
so ist eine Minderung in Höhe von 70 % bezogen auf den Tagesgesamtpreis angemessen.
2. Sofern von einem öffentlichen Teil des Strandes Lärm ausgeht, der einen als “Ruhepool”
bezeichneten Ort beeinträchtigt, stellt dies einen minderungserheblichen Mangel dar. Wie laut
der Lärm ist und ob dadurch tatsächlich eine Belästigung stattgefunden hat, liegt im subjektiven
Empfinden des Einzelnen.
3. Bei einem Hotel in südlichen Ländern kann es aufgrund der klimatischen Verhältnisse zu schwarzer
Schimmelbildung im Fugenbereich des Badezimmers kommen, die lediglich eine Minderung
von 5 % rechtfertigt.
4. In Zeiten des Massentourismus sind in der Hochsaison am Buffet Wartezeiten von bis zu
30 Minuten hinzunehmen.
5. Die gelegentliche Verschmutzung durch Ausscheidungen von Kindern im Pool einer
Hotelanlage ist eine hinzunehmende Folge des Massentourismus.
6. Es stellt keinen Mangel dar, wenn eine Hoteldiskothek oder -bar nur bis 24:00 Uhr oder
1:00 Uhr geöffnet hat.
AG Köln, 14. 6.2011 – 142 C 217/10
Fundstelle: RRa 2012, 159 (LS)

######################### Luftbeförderung ################################

Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Nichtbeförderung/Erdbeben/“Vertretbare Gründe” der
Beförderungsverweigerung

Vorlagefrage:
Ist Art. 2 lit. j der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 im Hinblick auf die dort genannten
“vertretbaren Gründe” dahingehend auszulegen, dass “vertretbare Gründe” nur in der Person des
Fluggastes liegende Gründe sein können, die den Flugverkehr oder andere Passagiere in ihrer
Sicherheit gefährden oder sonstige, öffentliche oder vertragliche Belange berühren, oder können
“vertretbare Gründe” auch sonstige Gründe außerhalb der Person des Fluggastes sein,
wie z. B. insbesondere Fälle der höheren Gewalt?
LG Frankfurt a.M., 1. 3.2012 – 2-24 S 185/11
Fundstelle: RRa 2012, 122

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Annullierung/Streik der Piloten/“Außergewöhnlicher Umstand”
Ein den Betrieb beeinträchtigenden Streik (hier: durch Piloten) stellt einen “außergewöhnlicher
Umstand” i. S. v. Art. 5 VO dar.
AG Frankfurt a.M., 8. 11.2011 – 31 C 1700/11 (16)
Fundstelle: RRa 2012, 158 (LS)

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Technischer Defekt/Verspätung/Abtretung/Montrealer Übereinkommen
1. Bei einem Flugabbruch mit Rückkehr zum Ausgangsflughafen und sich anschließendem neuen
Startversuch ist für die Bestimmung der Verspätung i. S. v. Art. 6 VO auf den Flug abzustellen,
durch den eine tatsächliche Beförderung zum Zielort erfolgte.
2. Die Auslegung des EuGH zum Begriff der Annullierung – wonach auch die Situation umfasst ist,
dass das Flugzeug gestartet ist, aber anschließend, aus welchen Gründen auch immer, zum
Ausgangsflughafen zurückkehren musste, und die Fluggäste auf andere Flüge umgebucht
werden müssen – kann auf die Auslegung des Begriffs der Verspätung übertragen werden.
3. Ein sich nicht schließender Fahrwerksschacht stellt keinen “außergewöhnlichen Umstand”
i. S. v. Art. 5 Abs. 3 VO dar.
4. Art. 19 MÜ ist auch auf die Verspätungsfälle anzuwenden, bei denen die Verspätung auf einen
technischen Defekt des Flugzeugs zurückzuführen ist.
LG Frankfurt a.M., 6. 2.2012 – 2-24 O 219/11
Fundstelle: RRa 2012, 125

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Abtretung der Ausgleichsansprüche/Abtretungsverbot/Streik/
Außergewöhnlicher Umstand

1. Eine Bestimmung in AGB eines Luftfahrtunternehmens, wonach es einem Fluggast verboten ist,
seinen Ausgleichsanspruch nach Art. 7 VO abzutreten, ist nach § 307 BGB unwirksam.
2. Der Ausgleichsanspruch nach Art. 7 VO ist kein höchstpersönlicher Anspruch.
3. Auch wenn sich ein Luftfahrtunternehmen auf einen Streik des Abfertigungspersonals als
“außergewöhnlichen Umstand” beruft, muss es darlegen, welche finanziellen, materiellen und personellen
Anstrengungen es unternommen hat, um die Folgen dieses angekündigten Streiks abzufangen.
AG Hannover, 8.2.2012 – 531 C 10491/11
Fundstelle: RRa 2012, 129

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Außergewöhnlicher Umstand/Aschewolke/Technisches Problem
Fällt ein “außergewöhnlicher Umstand” (z. B. Aschewolke) weg und entscheidet sich das
Luftfahrtunternehmen daraufhin unter Festsetzung einer neuen Startzeit zur Durchführung eines Fluges,
so kann sich das Luftfahrtunternehmen wegen eines nach Festsetzung der neuen Startzeit auftretenden
technischen Defekts am Flugzeug – welches seinerseits keinen Exkulpationsgrund i. S. d. Art. 5 Abs. 3
VO darstellt – nicht darauf berufen, dass ein “außergewöhnlicher Umstand” vorliegt.
AG Rüsselsheim, 13. 1.2012 – 3 C 1970/11 (37) (n. rkr.)
Fundstelle: RRa 2012, 130

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Außergewöhnlicher Umstand/Annullierung/Schneefall
Bei schlechten Wetterverhältnissen kann von einer außereuropäischen Fluglinie nicht erwartet werden,
dass sie an benachbarten Flughäfen Maschinen vorhält, zumal nicht gesichert ist, dass bei derartigen
Wettererscheinungen Starts und Landungen von benachbarten Flughäfen überhaupt möglich sind.
AG Erding, 1. 12.2011 – 5 C 941/11
Fundstelle: RRa 2012, 133

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Aschewolke/Betreuungsleistung/Hotelunterbringung
Ein Luftfahrtunternehmen, das nach einer Annullierung eines Fluges seiner Verpflichtung, den Fluggästen
eine Hotelunterbringung anzubieten, nicht nachkommt, kann dem Fluggast, der selbst ein Hotelzimmer
angemietet hat, nicht entgegenhalten, er habe ein günstigeres wählen müssen, ohne hinreichend
substantiiert vorzutragen, welches günstigere Hotelzimmer zu welchem Zimmerpreis verfügbar
gewesen wäre.
AG Rüsselsheim, 21. 9.2011 – 3 C 56/11 (36)
Fundstelle: RRa 2012, 134, Anm. Schmid, Ronald, RRa 2012, 135

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Verspätung/Startabbruch/Startversuch/“Außergewöhnlicher Umstand”
1. Ein Startversuch stellt keinen Abflug dar.
2. Der Ausfall von Flugpersonal stellt keinen “außergewöhnlichen Umstand” i. S. v. Art. 5 VO dar.
3. Der Defekt an einer Höhenruderanzeige stellt keinen “außergewöhnlichen Umstand” i. S. v.
Art. 5 VO dar.
AG Frankfurt a.M., 24. 6.2011 – 31 C 961/11 (16)
Fundstelle: RRa 2012, 135

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Verspätung/Startabbruch/Startversuch/Außergewöhnlicher Umstand
1. Die Auslegung des EuGH zum Begriff der Annullierung kann auf die Auslegung des Begriffs der
Verspätung übertragen werden.
2. Ein Startversuch stellt keinen Abflug dar (im Anschluss an AG Frankfurt a.M., Urt. v.
20. 5.2011 – 31 C 232/11 (16)).
3. Der Ausgleichsanspruch nach Art. 5 VO ist nicht in einer Weise “höchstpersönlich”, als
dass eine Abtretung ausgeschlossen wäre.
LG Frankfurt a.M., 29. 11.2011 – 2-24 S 130/11
Fundstelle: RRa 2012, 157 (LS)

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Verspätung/“Außergewöhnlicher Umstand”/Erkrankung des Piloten
Die Erkrankung des Flugpersonals stellt keinen “außergewöhnlichen Umstand” i. S. v. Art. 5 VO dar.
AG Frankfurt a.M., 20. 5.2011 – 31 C 245/11 (16)
Fundstelle: RRa 2012, 159 (LS)

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Verordnung (EG) Nr. 261/2004/Verspätung/Startabbruch/Startversuch/Außergewöhnlicher Umstand
1. Bei der Ermittlung der Entfernung wird der letzte Zielort zugrunde gelegt, an dem der Fluggast später
als zur planmäßigen Ankunftszeit ankommt. Hier sind auch die Zielorte von direkten Anschlussflügen
zu berücksichtigen.
2. Schlechte Wetterbedingungen entlasten als außergewöhnliche Umstände nur dann, wenn das
Luftfahrtunternehmen nachweist, dass sich eine Annullierung auch nicht hätte vermeiden lassen,
wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären. Dies hat das Unternehmen darzulegen
und zu beweisen.
AG Hannover, 5. 1.2012 - 451 C 9817/11
Fundstelle: BeckRS 2012,12572 = RRa 2012, 132
Anm.: Vgl. dazu Führich, Reiserecht, 6. Aufl. 2010, Rn. 1036

################### Eisenbahnbeförderung ######################################

Verkehrssicherungspflichten/Räum- und Streupflicht auf Bahnsteigen
1. Auch nach der rechtlichen Trennung von Fahrbetrieb und Infrastruktur durch das Gesetz zur
Neuordnung des Eisenbahnwesens vom 27. 12.1993 (BGBl. I S. 2378, 1994 I S. 2439) ist ein
Eisenbahnverkehrsunternehmen aufgrund eines Beförderungsvertrags verpflichtet, diejenigen
Bahnanlagen wie Bahnhöfe und Bahnsteige, die der Fahrgast vor und nach der Beförderung
benutzen muss, verkehrssicher bereitzustellen. Wird diese vertragliche Nebenpflicht schuldhaft
verletzt, haftet das Eisenbahnverkehrsunternehmen gemäß § 280 Abs. 1, § 241 Abs. 2 BGB.
2. Werden die Bahnanlagen, die der Fahrgast für den Zu- und Abgang benutzen muss, durch
ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen bereitgestellt, bedient sich das Eisenbahnverkehrs-
unternehmen des Infrastrukturunternehmens als Erfüllungsgehilfen und hat dessen Verschulden
in gleichem Umfang zu vertreten wie ein eigenes Verschulden (§ 278 BGB). [Leitsätze des Gerichts]
BGH, 17. 1.2012 – X ZR 59/11
Fundstelle: RRa 2012, 116 = NJW 2012, 1083, Anm. Führich in LMK 2012, 331720,
Besprechung Führich, RRa 2012,

####################### Beherbergung #######################################

Verkehrssicherungspflicht/Feuchter Fliesenboden/Mitverschulden
1. Ein Hotelbetreiber darf grundsätzlich darauf vertrauen, dass ein Gast sichtbare (Rutsch-)Gefahren
erkennt und ihnen durch Achtsamkeit ausweicht oder begegnet.
2. Bei erkennbar gefahrbringenden Umständen (hier: Nichtvorhandensein von Haltevorrichtungen und
feuchter Fliesenboden) bedarf es einer besonderen Vor- und Umsicht durch den Hotelgast.
OLG Koblenz, 7. 9.2011 – 1 U 243/11
Fundstelle: RRa 2012, 114 mit Anmerkung Lothar Jäger

###################### Neue Literatur zum Reiserecht ########################

euvr, Zeitschrift für Europäisches Unternehmens- und Verbraucherrecht
Journal of European Consumer and Market Law, Verlag Österreich, ISSN 2191-3412
Anm.: Diese neue Zeitschrift will eine Lücke in der wissenschaftlichen Bearbeitung des
europäische Verbraucherrechts einschließlich der Passagierrechte schließen. Die Publikationen
erscheinen in Deutsch und/oder in Englisch.

Führich, Ernst, Anmerkung zu BGH, 17. 1. 2012 - X ZR 59/11, NJW 2012, 1083, in: LMK 2012, 331720

Führich, Ernst, Flughafenbetreiber als Erfüllungsgehilfe des Luftfahrtunternehmens,
Zugleich eine Besprechung des Urteils des BGH vom 17.1.2012 - X ZR 59/11,
RRa 2012, 166

Tonner, Klaus, Zur Zukunft der Passagierrechte: Folgerungen aus dem EU-Weißbuch zum
einheitlichen europäischen Verkehrsraum, RRa 2012, 162

Tonner, Klaus/Fangerow Kathleen, Directive 2011/83/EU on consumer rights: a new
approach to European consumer law? euwr 2012, 67

Serrat, Josep Maria, The role of the DCFR in travel contracts: towards an optional
instrument?, euvr 2012, 95

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